Kirkenes

Zuerst auf norwegisch – allmählich kommen wir ein wenig in die Sprache hinein -, dann auf englisch und zuletzt auf deutsch informiert uns die Reiseleitung per Durchsage, dass wir jetzt in Kirkenes ankommen. Es sei sehr kalt, minus 17° Celsius, wir sollen uns warm anziehen. Das tun wir. Wir tragen am Körper, was die großen Reisekoffer hergeben, und das ist eine Menge. Als wir aus dem Schiff treten, ist alles von Raureif überzogen und die Atemluft ist sogleich dabei, sich ebenfalls zu materialisieren. Zügig gehen wir am kleinen Empfangsgebäude vorbei und halten uns auf der verschneiten Straße gefühlt in Richtung Ortschaft. Die Autofahrer hier in Norwegen sind extrem zuvorkommend. Immer wenn wir etwas unentschlossen am Straßenrand stehen, hält ein Fahrzeug trotz der schneebedeckten Straßen an und der Fahrer winkt uns hinüber. Sie fahren hier sehr sicher bei Schnee, in jedem Gelände. Man muss aber auch sagen, dass die Autofahrer hier jedes Jahr mehrere Monate Zeit haben, das zu üben.

Vorbei geht es an einigen riesigen Kaufhäusern. Das finden wir erstaunlich, hat doch Kirkenes mit den umliegenden Dörfern gerade mal 5000 Einwohner. Danach kommen wir am Fischereihafen vorbei, wo sich Unmengen von Körben für den Krabbenfang stapeln. Die riesigen, bis zu 17 Kilogramm schweren Kamtschatkakrabben oder Königskrabben, die von Russland her eingewandert sind, müssen in großen Mengen gefischt werden, da sie jährlich an die 50 Kilometer weiter wandern, mittlerweile schon an den Lofoten sind, und als Allesfresser wirlich alle tierischen Bewohner des Meeres vertilgen, einschließlich ihrer eigenen Artgenossen. Das Wasser hinter den Fischkuttern ist hier teilweise gefroren, bisher haben wir noch kein gefrorenes Meer auf unserer Fahrt gesehen. Dafür sind die Hügel wieder dicht mit Bäumen bewachsen. Einerseits liegt Kirkenes nicht mehr im Einflussgebiet des wärmenden Golfstroms, sondern in dem der kalten Barentsee, daher das Eis. Andererseits sind wir wieder ein ganzes Stück weiter südlich, daher die Bäume.

 

Im Dorf kommen wir an der Kirche aus 1959 vorbei, aber auf dem Friedhof kratzen wir aus dem Schnee einen Grabstein frei, der über einem Mann steht, der 1877 geboren wurde und 1921 starb. So alte Gräber gibt es bei uns kaum. Die Straßenschilder sind sämtlich sowohl auf russisch als auch auf norwegisch. Die russische Grenze liegt nur wenige Kilometer entfernt. Außerdem gibt es hier besonders viele Finnen, da während einer Hungersnot im vorletzten Jahrhundert viele Finnen an die Küste kamen, weil es hier wegen der Fischerei immer noch zu essen gab.

Das neue Einkaufszentrum beherbergt eine Reihe von Einzelhandelsgeschäften, doch die Käufer scheinen zumindest an diesem Tag nicht sehr zahlreich zu sein, die Verkäuferinnen wirken extrem jung und sehr gelangweilt. Kirkenes hat einen Flughafen und daher auch eine Reihe von Hotels, eine Einkaufsstraße, in der ich Mitbringsel für die Enkel kaufe und natürlich auch eine Bibliothek. Mittlerweile gucken wir überall auf unserer Reise, ob wir eine sehen, und wir werden stets fündig.

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Die Haupteinkaufsstraße von Kirkenes

Zuletzt statten wir noch dem riesigen Supermarkt nahe des Hafens einen Besuchs ab und kaufen das Mineralwasser aus dem Sonderangebot. Man hat den Eindruck, dass sich die Mitarbeiter und die Kunden hier zahlenmäßig in etwa die Waage halten. Wird hier am Ende der Welt ein Supermarkt subventioniert?

Den Nachmittag verbringen wir zunächst in der Sauna und anschließend steigen wir in der Dunkelheit in einen der beiden beheizten Whirlpools auf dem Hinterdeck.

Seeeeehr schön!

Das feiern wir mit dem ersten Bier seit einer Woche.

Seeeeehr lecker!