Kilkenny

Wir fahren westwärts, nach Kilkenny. Meine App sagt, es gebe in Stadtnähe einen Campingplatz Tree Grove, auf dem auch Hunde akzeptiert sind. Vorher kaufen wir wieder ein, diesmal bei Aldi. Wenn man mit dem Wohnmobil fährt, muss man öfter zum Einkaufen los, weil die Lagermöglichkeiten begrenzt sind. Und am einfachsten ist der Einkauf, wenn man mit dem Auto sowieso unterwegs ist, also nicht erst vom Platz losfahren muss. Der Vorteil davon ist, dass man recht viele Supermärkte kennen lernt und sich einen guten Überblick über Angebot, Preise und regionale Produkte verschaffen kann. Ich habe Spaß daran zu gucken, wie die Leute in anderen Ländern einkaufen, was sie interessant finden, wie sie Kaufentscheidungen treffen bis hin zu dem, was sie anziehen, wenn sie einkaufen gehen.

Der Campingplatz ist kurz hinter einem Kreisel stattauswärts und wieder gibt es rund um die gekiesten Stellflächen reichlich grünes Gras. Da die Sonne herauskommt, stellen wir die Stühle heraus und machen uns erst mal einen Kaffee. Denn obwohl die leckeren gefüllten Kekse von Aldi auch so schmecken – mit Kaffee rutschen sie besser. Ich hole endlich das Hundekissen aus der Lauge und bis zum Abend kann Laki wieder drauf liegen.

Der Platzbetreiber erklärt Herrn W. den Weg in die Stadt und gibt auch gleich Empfehlungen bezüglich eines Pubs. Erst denken wir, das wird wieder so eine Cousin-von-der-Großtante-Geschichte sein, aber dieser Pub und vor allem das Bier sind wirklich weit über die Grenzen bekannt.

Wir gehen entlang eines Flüsschens Nore durch einen langgezogenen sehr naturnahen Park. Allmählich wird der Park gepflegter, verläuft auf der anderen Seite entlang einer hohen Mauer und mündet endlich in den Park von Kilkenny Castle. Offenbar ist hier eine Schule untergebracht, und wir sehen am frühen Nachmittag viele Kinder und Jugendliche in Schuluniform, die auf den riesigen Wiesen Hurling und Camogie trainieren. Dabei gilt es, mittels eines Eschenschlägers, dem Hurley, einen tennisballgroßen Lederball in oder über ein Lattentor zu schießen. Es spielen zwei gleichgeschlechtliche Mannschaften gegeneinander. Das Spiel gilt als sehr alt, ausgesprochen schnell und damit auch als nicht ungefährlich. Die Kinder sind verrückt danach. Sie sind sehr geschickt darin, offenbar machen sie in ihrer Freizeit kaum etwas anderes. Wir haben eine ganze Weile zugesehen, bis wir erkannten, dass sie den Ball einfach mit dem Schläger führen, und der nicht daran befestigt ist. Denn so sieht es auf den ersten Blick aus. Wochen später sprach Herr W. in einem anderen Ort ein paar Jungs mit Hurleyschlägern an, weil er hörte, dass Fernsehapparate Fußball übertrugen und er wollte sich informieren, wer da gerade gegen wen spielte. Die Jungs schauten ihn verständnislos an und antworteten, indem sie erklärten, wer von ihnen was beim Hurling am besten könne. Hurleys gibt es überall zu kaufen, selbst in einfachen Supermärkten sind sie für unter 15 Euro zu haben.

Wir lassen uns in den Ort treiben. Hier gibt es mittelalterliche schmucke Häuschen, hübsche Geschäfte mit ansprechender Ware, Pubs und Lokale und nette Gässchen. Endlich kommen wir auch an die Brauerei. Das Bier aus Kilkenny ist nicht ganz so bitter und schwarz wie Guinness, sondern hat einen etwas höheren Malzanteil und ist rotbräunlich. Daher wird es auch einfach „Red Ale“ genannt. Kilkenny’s heißt das Bier als etwas stärkere Exportware, hier wird es unter dem eigentlichen Namen der Brauerei „Smithwicks“ ausgeschenkt. Es ist wirklich lecker und ich finde es fast besser als das Guinness. Die Brauerei residiert an der Hauptstraße hinter einem roten Holztor. Dieses Tor sehen wir nun öfter, überall dort wird Smithwick’s produziert oder ausgeschenkt. Es gibt Führungen, aber leider: „Sorry, no dog!“

Am anderen Ende des Ortes befindet sich die Cathedral Church of St. Canice mit ihrem Round Tower. Diese runden Türme haben wir hier oft gesehen. Sie sind alt, relativ schmucklos und stehen immer gesondert neben den eigentlichen Kirchen. Offenbar waren sie nicht nur Glockentürme, sondern auch Fluchttürme. Die Kirche selbst liegt wieder inmitten eines alten Friedhofs. Sie geht auf eine Gründung in der Zeit um 590 zurück, wurde seit 1300 ununterbrochen genutzt und gilt als eine der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchen Irlands. Diesmal ist nicht der Hund schuld, dass wir nicht rein können, sondern unsere Trödelei. Sie wird um 17.00 Uhr geschlossen. Dafür schauen wir uns ausgiebig auf dem Friedhof um.

Natürlich wollen wir danach zum Pub. Sowohl Hunger als auch Lust auf kühles hiesiges Bier treiben uns. Im hellen Sonnenlicht liegt der Pub an einer Kreuzung am Wasser, wieder mit rotem Tor. Der Hund darf mit rein, wir bekommen einen kleinen Tisch. Das Bier zischt. Wir haben eine Kleinigkeit zu essen bestellt, ich eine Leber-Apfel-Pastete mit Röstbrot, Herr W. eine Suppe. Beides ist ungemein lecker. Während des zweiten Biers sehen wir uns um. Wie bei einem Pub zu erwarten besteht die Einrichtung aus einer Mischung aus Krempel, Antiquität und solider Schreinerarbeit, das Publikum aus Menschen aller Altersklassen und hier auch vieler Nationen, sehen die Iren sehr gut aus und haben überdurchschnittlich oft leuchtend rote Haare und gibt es zwei Musiker, einer spielt Gitarre und der andere eine Flöte. Immer wieder kommen sprechen Gäste vom Tresen aus die Musiker an und bitten um bestimmte Stücke, es gibt außer irischer auch internationalere oder gar amerikanische Stücke. Durch das Fenster sehe ich, wie sich hinter der imposanten Shilouette einer Kirche die Dämmerung herabsenkt.

Zeit für uns, weiter zu gehen. Aus einer Kirche kommen Blasmusik und Chorgesang. Erst hören wir aus dem Vorraum zu, dann kommt eine ältere Dame, um uns doch herein zu bitten, da sie uns durch das Fenster in der Holztür gesehen hat. Doch wieder bekommen wir zu hören: „Sorry, no dogs!!

Als wir schon fast wieder aus der Stadt heraußen sind, fällt mir ein Mann auf, der mit seinem Fotoapparat die Szenerie hinter mir ablichtet. Ich drehe mich um, hole auch meine Kamera und lege meinerseits los: