Cashel

Herr W. meinte neulich in einer Sprachnachricht an mich: „Dein Blogg blockt.“ Recht hat er, irgendwie ist immer was, aufräumen, Handwerker, Büchereifortbildung, Garten, Hund, … große Hitze. Aber mit dem Rausreden ist nun Schluss, heute geht es weiter:

Wir fahren von Kilkenny ein ganzes Stück westlich, nach Cashel. Der Ort an sich ist wenig sehenswert, wir umrunden ihn von Norden und sehen gleich den Rock von Cashel mit der Ruine darauf. Unterhalb breiten sich im Sonnenschein grüne Wiesen aus, darin eine weitere Ruine, eindeutig ein Kirchengebäude. Es gibt keinen richtigen Parkplatz, wir stellen das Wohnmobil an den Straßenrand und nehmen zu Lakis übergroßer Erleichterung auch den Hund mit.

Durch ein Drehkreuz gelangen wir zur Hore Abbey, der Ruine eines ehemaligen Benediktinerklosters. Die Benediktiner wurden jedoch 1272 vom Erzbischof von Cashel vertrieben, weil er geträumt hatte, dass sie ihm nach dem Leben trachteten. Daher schenkte er das Kloster den Zisterzienseren, die dort bis nach 1500 wirkten. So kann es gehen.

Wir können überall in der Ruine frei umhergehen. Laki macht prompt ein Häufchen, wir tüten es nach deutscher Manier ein und nehmen es mit.

Die ganze Zeit hatten wir über Mauern und durch Fenster immer wieder großartige Blicke auf die Burganlage von Cashel, die wie eine Krone auf dem Felsen thront. Wir verlassen die Abtei, überqueren eine Nebenstraße und wandern entlang einer Mauer und neben Viehweiden hoch. Schon von weiten hören wir Musik und oben sehen wir die beiden Mädchen mit ihren Akkordeons. Spontan bin ich erfreut, weil ich es gut finde, wenn Kinder durch das, was sie im Musikunterricht oder in der Familie gelernt haben, ein kleines Taschengeld dazu bekommen. Doch ziemlich schnell wird klar, dass die beiden ein sehr kleines Repertoire haben und heute am Sonntag von der Familie hier abgesetzt wurden, damit sie Geld verdienen, das sie abgeben müssen. Und dafür reichen zwei Stücke und ein paar Tanzschritte, denn Touristen bleiben normalerweise nur kurz stehen, werfen eine Münze in den Instrumentenkoffer und gehen weiter. Da haben sie halt nicht mit Herrn W. gerechnet, der sich mit Laki auf eine Bank setzt, während ich in die Burg gehe. Er beobachtet, dass in regelmäßigen Abständen Brüder kommen, die Geld abholen.

Während der arme Herr W. was auf seine Ohren kriegt, wartet auf mich ebenfalls eine unvergessliche Erfahrung: Ich stelle mich an der Kasse an und nutze die Zeit, mich über die Preise zu informieren. Der Eintritt kostet 6 Euro, für Senioren 4 Euro. Grundsätzlich sind hier in Irland 6 Euro Eintritt nicht viel, aber heute bin ich keck und ich frage auf Englisch, ab wann man ein Senior ist. „60 and more“, lautet die Antwort. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin ja seit zwei Monaten 60! Also ordere ich ein Seniorenticket. Der junge Mann schiebt es mir anstandslos über die Theke. Ohne nach dem Ausweis zu fragen. Ich bin geschockt.

Drinnen bin ich dann unter meinesgleichen. Es sind überwiegend Leute in meinem Alter hier. Viele Fotoapparate, viele Baedecker, viele Sonnenschutzhüte, viel graues Haar.

Auch hier gehen wir durch Ruinen. Dieses Gebäude ist aber ein Herzstück Irlands, ließ sich doch im 10. Jahrhundert hier ein irischer König krönen. Später wurde diese Burg vom Enkel dieses Königs der katholischen Kirche übereignet, die hier das erzbischöfliche Palais einrichtete. Es gibt eine Kathedrale, eine Kapelle, wieder einen Rundturm, einen wunderschönen Friedhof und Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Wir fahren weiter, weil wir heute noch an die Küste kommen wollen. Vorher gehen wir natürlich wieder einkaufen, glücklicherweise. Es gibt hier in der Region einen Blauschimmelkäse, den Cashel Blue. Er ist wirklich sehr lecker und steht seinen Verwandten aus anderen europäischen Regionen in nichts nach.

Die Autobahn führt uns nach Süden in Richtung Cork. Laut unseres kleinen Campingführers gibt es hier einen Platz, der Hunde akzeptiert und auch offen hat. Wir finden ihn. Wir zahlen und wissen es sofort, auf gar gar keinen Fall bleiben wir hier länger als eine Nacht. Es gibt grünes Gras, das ist aber auch schon alles. Die vierspurige Schnellstraße führt direkt am Platz vorbei, es gibt kein heißes Wasser, kein Internet, man kann nicht duschen. Hinter den Mülltonnen liegt Rattengift. Der Platz gehört zu einem Wohnhaus und liegt im Wohngebiet. Weit und breit kein Pub oder Lokal.

Dafür sind unsere Nachbarn nett. Sie sind Engländer, und wir lernen sie kennen, weil wir es nicht fassen können, dass man keine heißes Wasser hier kriegt. Das ältere Ehepaar ist sehr hilfsbereit, und bietet an, uns mit ihrem Wasserkocher auszuhelfen. Sie freunden sich mit Laki an und zeigen uns ihr Wohnmobil. Ihr ganzer Stolz ist die große Karte von den britischen Inseln, die sie an die Klotür geklebt haben. Überall, wo sie waren, haben sie einen kleinen Pfeil hingeklebt, in jedem Jahr eine andere Farbe. Es kleben sehr viele Pfeile auf dieser Karte. Als ich das bewundere, sagt die Frau lakonisch: „Yes, I already saw it. Wrong map in your car!“ Stimmt, da hat sie richtig gesehen. In unserem Auto gibt es auch so eine Karte. Nur, dass es noch die vom italienischen Stiefel ist!

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