Reise nach Prag

Herr W. hat ein paar Tage Urlaub genommen, wir haben eine winzige Wohnung in Smichov, einem Ortsteil auf der Prager Kleinseite gemietet und packen das Auto, was in diesem Fall bedeutet, dass alles auf die Rückbank kommt. Laki liegt schon längst in ihrem Körbchen im offenen Kofferraum – sicherheitshalber, denn die Angst, nicht mitzudürfen, ist unermesslich groß. Das Wohnmobil hingegen muss noch zu Hause warten, im Moment ist es dafür einfach zu kalt.

Es macht Spaß, gemeinsam diese neue Route durch die Oberpfalz an die deutsche Grenze zu fahren. Es gibt zunehmend weniger Bebauung, dafür immer mehr abwechslungsreiche grünende Landschaft. Da der CD-Player aus unerfindlichem Grund die eingeschobene CD nicht will, singen wir uns gegenseitig Smetanas Moldau vor und geraten über die Passage nach dem wiederholten ersten Motiv in Meinungsverschiedenheit. Herr W. setzt zu schmetternden Fanfaren an, ich ergehe mich in harmonischen Verschiebungen. Die Grenze überqueren wir beiläufig, dabei ändert sich die Farbe der Autobahnbeschilderung von blau in grün und die Ortsbezeichnungen werden unaussprechlich. Wie ich später gelesen habe, haben die „Schwälbchen“ und „Stäbchen“ über den Buchstaben jeweils lautverändernde Bedeutung, l, m und noch andere können auch Vokale sein, ein u kann statt eines Stäbchens auch einen Kringel haben, … wie gut, dass ich hier nicht Rechtschreibung unterrichten muss!

Dank des Navis finden wir die Adresse ziemlich schnell. Wir rufen vom Handy aus den Vermieter an, und er öffnet für uns das schmiedeeiserne Tor. Dahinter bekommt das Auto einen Parkplatz auf dem Innenhof und wir regeln im Büro des Vermieters alles Erforderliche. Ich bin erstaunt, wie gut der junge Mann Englisch spricht, viel besser als ich. Er erzählt, dass er auch einen Hund habe, dass seine Frau dieser Tage das erste Kind erwarte, erklärt uns die Schließanlage, gibt uns Ratschläge zum Abheben am Geldautomaten und Tipps für die kommenden Tage. Stolz verweist er darauf, dass er im Haus eine winzige Craftbeerbrauerei mit Ausschank betreibe. Da rennt er bei mir natürlich offene Türen ein. Das kleine Appartment erweist sich für unsere Zwecke als perfekt. Wir räumen notdürftig ein und ziehen los. Die Craftbeerbrauerei heben wir uns für später auf, jetzt haben wir erst mal Hunger und sind auf der Suche nach Schweinernem in Knödelbegleitung.

Entlang der Moldau geht es schon in der Dunkelheit nach Norden zur Jirásku°v most (das Programm gibt die korrekte Schreibweise nicht her. Das Ringlein muss über dem u sein, nicht danach. Ich merke schon, Tschechen sind eine Minderheit und nicht genügend repräsentiert.) Von dieser Brücke aus haben wir einen ersten Blick sowohl auf das tanzende Haus von Gehry, auf die Nationaloper und vor allem auf die Karlsbrücke.

brown and black concrete bridge during night
Photo by Pixabay on Pexels.com

Drüben auf der anderen Moldauseite zieht es uns in kleine Gässchen. Statt des sagenhaften Golems toben und lärmen Dutzende von Halbwüchsigen, die die Bierkneipe wechseln. Wir versuchen ihnen aus dem Weg zu gehen, da wir nicht wissen, wie Laki das findet. Herr W. erinnert von einem früheren Besuch das U Fleku° (wieder das Ringleinproblem), eine Institution für authentisches Pragerisches Essen und Trinken. Doch dort schüttelt man den Kopf, als man Laki sieht, daher kehren wir um. Unweit finden wir eine nette Gaststätte, die noch Essen serviert und den Hund akzeptiert. Hier gibt es unzählige alte Plattenspieler, die Wände sind mit Schelllackplatten geschmückt, die Stereoanlage gibt einen 70er-Jahre-Hit nach dem nächsten wieder. Der Schweinebraten ist schon ausgegangen, dafür ist das Gulasch noch da. Viel Soße, einige Brocken recht durchwachsenes Schweinernes, extrem saugfähige Knödelscheiben, zwei gut gehopfte Biere aus PLZEN (so schreibt man hier Pilsen) – alles gerät wieder ins Lot. Als wir zurück auf die Straße kommen, ist immer noch viel junges Volk unterwegs, das das Lokal wechselt. Doch dieses Mal sind die Leute freundlich. Ein Pärchen hat einen Hund dabei, und der junge Rüde Eddi findet Gefallen an Laki und sie an ihm. Gemeinsam toben sie zwischen den Menschen über die Straße und haben ihren Spaß. Wieder sprechen die Leute hervorragend Englisch. Was uns hier auffällt und sich in den nächsten Tagen mehr als bestätigen soll, ist, dass die Prager ein sehr ungezwungenes Verhältnis zu Hunden haben und die Hunde allesamt gut sozialisiert sind. Die meisten laufen gar ohne Leine. Es klappt wunderbar.

Da wir uns ein gutes Stück von unserer Unterkunft entfernt haben, müssen wir nun noch fast eine halbe Stunde laufen. Müde und ziemlich erschöpft fallen wir in die Betten.

 

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