Tromsø

Von den Lofoten kriegen wir wenig mit, weil wir sie in der Nacht durchfahren. Leider, denn sie sind höchstwahrscheinlich der spannendste Teil der Reise. Es gibt hier außer Svolvær noch fünf weitere Häfen. Am frühen Nachmittag erreichen wir Tromsø. Wir haben hier über vier Stunden Zeit. Die Hurtigruten bieten für den Aufenthalt eine ganze Reihe von geführten und begleiteten Touren an, doch wir haben im Vorfeld keine davon gebucht. Falls man tatsächlich unterwegs eine Tour buchen möchte, ist das auf dem Schiff noch sehr leicht möglich. Wir jedoch wollten uns erstmal ein Bild machen und stellen fest, dass wir die Aufenthalte auch ohne Tour überaus spannend finden, zumal wir körperlich fitt und gut zu Fuß sind.

Schon von Deck acht aus sehen wir die Stadt, die große Brücke, die die beiden Stadtteile überspannt und auf der dem Zentrum gegenüberliegenden Seite die berühmte Eismeerkathedrale. Die eigentliche Stadt liegt auf einer Insel, auf Tromsøya. Jetzt, um 14.00 Uhr, steht der Mond hoch am Himmel und die Dämmerung senkt sich bereits über das Land.

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Spikes unter die Füße und los gehts. Die Stadt ist groß und modern, es gibt vielfältige Einkaufsmöglichkeiten und wir gucken vor allem bei den Souvernirläden Schaufenster. Schöne Sachen gibt es da, nicht ganz billig, aber auch viel Klimbim. Die hübsche gelbe Domskirke ist leider geschlossen. Herr W. schafft es wieder, uns zur Bibliothek zu lotsen. Sie ist, wie es sich für eine Universitätsstadt gehört, riesig, gemütlich und modern. Die äußere Form ist ein Zwischending zwischen vierblättrigem Kleeblatt und gläsernem Pilzfuß. Innen dominieren Holz und Stahl. Gleich im Eingangsbereich stecken entlang einer langen Theke sämtliche wichtige Zeitungen des Landes und der Region und die vielen Leser sitzen auf Barhockern und informieren sich. Da die Universität hier außer Fischereiwesen und Aquaforschung auch samische Fächer anbietet, ist die Bibliothek in großen Bereichen mindestens zweisprachig, was aber schwer untertrieben ist, da allein das Norwegische mehrere Schriftsprachen hat und das Samische mehrere Hauptdialekte, die sich teils grundsätzlich voneinander unterscheiden. Das Schild am Eingang lässt den Fremden nur staunen:

Mittlerweile ist es völlig dunkel. Zur Eismeerkathedrale gäbe es einen Bus, der auch noch ziemlich häufig fährt, aber man kann natürlich auch über die Brücke gehen. Nach einem Stück unten am Wasser entlang kommen wir auf die Brücke. Der Gehweg ist voll zusammengetretenen Schnees, auf einer abgetrennten Spur überholen uns die Autos, ebenfalls im Schnee. Es ist dunkel, es zieht. Meine Handschuhe erfüllen ihren Zweck nicht mehr, zumal ich sie ständig ausziehe, um zu fotografieren. Die Luft ist schneidend kalt und wieder von dieser unwirklichen Klarheit, die mich auch jetzt nach einigen Tagen noch fassungslos macht.

Kaum verlassen wir die Brücke auf der anderen Seite, ist die Kälte nicht mehr ganz so beißend. Wir stehen am Fuß des kleinen Hügels, auf dem die Eismeerkathedrale steht. Wie viele andere neuen Gebäude in Norwegen sind die Baumaterialien vor allem Beton, Holz und Glas. Das berühmte Fenster, das wohl zweitgrößte Glasmosaik Europas, sieht man erst auf der Rückseite von außen. Wir zahlen umgerechnet 5 Euro Eintritt, weil wir die Kirche sehen wollen, wohl aber auch, weil wir uns unbedingt aufwärmen wollen (vor allem ich!!!). Leider sind drinnen gerade Handwerker zu Gange, sie mühen sich, eine riesige Leinwand vor dem Altarraum aufzustellen. Da sie zu zweit nicht weiterkommen, springen zuerst Herr W. und dann ich herbei und ziehen mit. Die Arbeiter berichten, dass die Leinwand für eine Filmvorführung am heutigen Abend bestimmt ist, da in Tromsø an diesen Tagen ein großes Filmfestival stattfindet und hier der preisgekrönte Film laufen soll. Als ich wieder warm genug bin, gehen wir auf die Rückseite der Kirche, um endlich das berühmte Mosaik anzusehen, das die Wiederkehr Jesu darstellen soll.

Zu Fuß zurück oder mit dem Bus? Tsching-Tschang-Tschoing geht auch noch in unserem Alter und so laufen wir (ich weiß nicht mehr, wer von uns beiden den Fußweg favorisiert und nun gewonnen hat). Leider gibt es auf der Brücke eine Fahrradspur, die auch bei mehreren Zentimetern Schnee noch gut frequentiert ist. Auf der laufen wir nun. Das heißt hintereinander bleiben und gut aufpassen!

Drüben haben wir noch ein wenig Zeit, wir gehen in das ein oder andere Geschäft. Plötzlich ertönt Musik und als wir auf den Platz gehen wo sie her kommt, finden wir uns unversehens in einem Freiluftkino wieder. Bei Dunkelheit macht das Sinn, das ist auch bei uns in Deutschland so. Aber bei diesen Temperaturen? Auf einer Betontribüne gibt es unzählige Sitzkissen aus Tigerprintplüsch, gefüllt mit Styroporkügelchen. Darin sitzen Leute, die sich den kostenlos präsentierten Film ansehen. Daneben stehen zwei junge Leute in gelben Sicherheitswesten, die das Ganze im Auge behalten. Ein Energieversorger hat ein geheiztes aufblasbares durchsichtiges Iglu dazugestellt, darin unzählige Topfpflanzen, wo man von drinnen den Film verfolgen kann. Erst bin ich unschlüssig, aber dann gehen wir hineien und gucken Film.

Als es Zeit wird, an Bord zu gehen, machen wir uns auf und sind rechtzeitig zum Abendessen wieder im Speisesaal. Allmählich vermute ich, dass sie hier so leckeres Essen servieren, damit alle rechtzeitig wieder da sind!

 

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