Reise nach Burghausen

Gleich vorweg: Dies wird kein Loblied auf die Deutsche Bahn.

Die Spritpreise steigen in den Himmel und der Ducato ist zwar für seine Verhältnisse noch sparsam. Aber da ich eine Bahncard habe, entscheide ich mich, diese auch zu nutzen. Per Internet geht das nicht, da ich zwar für mich supergünstige Spartickets finde, aber für den Hund nicht mitbuchen kann, und der kostet immerhin so viel wie ein Kind. Also gehe ich am nächsten Tag an den Schalter, und da kostet das Ticket an die Österreichische Grenze über Nacht merklich mehr. Die Dame am Schalter gibt mir den Tipp, das nächste Mal bei günstigen Tickets sofort zuzuschlagen und statt HUND eben KIND zu buchen. Gut, dass ich das jetzt auch weiß. Hoffentlich weiß das auch der Schaffner, der mich dann kontrolliert.

Laki und ich sind zeitig am Bahnhof. Wir haben viel Gepäck (ich habe eine Menge Zeug bei ebay eingestellt und nicht bedacht, dass ich bei Auktionsende nicht zu Hause bin und deshalb die fertigen Pakete einfach zusätzlich in den Koffer geschichtet) und ich will ganz sicher in Ruhe zum Bahnsteig kommen. Als wir die Bahnhofshalle betreten, steht da auf der Anzeigentafel schon mein Zug und dahinter kommt ein durchlaufender Text „Dieser Zug hat 20 Minuten Verspätung. Achten Sie bitte auf die Durchsage am Bahnsteig!“. Na, toll. Ich gehe erstmal zum Schalter. „Wenn Sie 10 Minuten früher da gewesen wären, hätte ich Ihnen eine andere Verbindung herausgesucht. Aber so …“. Der Mitarbeiter ist nett, aber er kann nicht hexen. Also sucht er mir in München neue Anschlusszüge heraus.

Laki und ich stehen in der Kälte mit anderen Reisenden am zugigen Bahnsteig. Laki friert, ich auch. Insgeheim bewundere ich eine junge Frau mit einem richtig knappen Minirock und schwarzen Netzstrümpfen. Wie muss die erst frieren. In Gedanken lebe ich noch mal die vielen Blasenentzündungen durch, die ich in meiner Jugend hatte. Nein, nun als Großmutter gebe ich meinen eigenen Omas Recht, die mir ständig warme Unterwäsche, lange Unterhosen und Nierenwärmer ans Herz legten. Laki ist ein vernünftiges Hundemädchen. Sie friert und will sich klugerweise nicht auf die kalten Pflastersteine setzen. Also setzt sie sich auf meine Füße, was die anderen Reisenden mit Schmunzeln und launigen Bemerkungen quittieren. Das ermuntert Laki, sie um Essbares anzubetteln. So vergeht die Zeit. Die Anzeigentafel hat sich mittlerweile bei 30 Minuten Verspätung eingependelt. Den Grund erfahren wir nicht wirklich.

Endlich kommt der Zug und wir finden einen guten Platz, wo Laki neben mir auf dem Boden selig schläft und niemanden stört. Glücklicherweise müssen wir den auch nicht freimachen. Denn trotz des hohen Fahrpreises hat ein Hund im Zug der DB nicht das Anrecht auf einen Platz vor einem Sitz, das habe ich früher schon erfahren. In München haben wir Zeit, die ich nutzen will, damit Laki pinkeln kann. Mit unserem riesigen Koffer gehen wir nach draußen, aber es gibt wirklich keinen einzigen freien Meter Erde, alles betoniert, voller Glasscherben oder mit Fahrrädern zugestellt. Also gehen wir – mit dem riesigen Koffer – in eine Seitenstraße, wo Bäume stehen. Aber gleich am ersten Baum prangt ein rotes Schild Achtung, hier wurde Rattengift ausgelegt!. Endlich erleichtert sich der Hund auf den Pflastersteinen und wir gehen zurück in den Bahnhof zu unserem Anschlusszug.

Im Abteil informiere ich meine Schwester in Burghausen und sie rät mir, ein Stück weiter zu fahren, sie hole mich dann in Marktl ab, damit ich nicht noch einmal umsteigen muss. Also packe ich erst eine Viertelstunde vor Marktl meine Sachen zusammen und stelle mich mit Laki und dem Koffer, der mir mittlerweile gehörig auf die Nerven geht, an die Tür. Die Durchsage kündigt die Ankunft in Marktl an. Mittlerweile ist es draußen völlig dunkel. Vereinzelt sehe ich Lichter, wenn ich meine Nase an die Glasscheibe drücke. Neben mir lärmt der Generator. Doch plötzlich bimmelt das Handy. „Wo bist du? In welchem Zug bist du? Der Zug ist weitergefahren und du bist nicht auf dem Bahnsteig!“ Das ist die Schwester. Ist die blöd? Aber schon kündigt der Schaffner Julbach an. Ich schreie ihr noch zu „JULBACH!“ und lege auf. Doch um es kurz zu machen, auch den Halt in Julbach bekommen Laki und ich nicht mit und erst in Simbach, der Endstation verlassen wir den Zug. Ich rufe erneut an und bekenne reumütig, in Simbach gestrandet zu sein. Sie holt uns dann dort ab. Warum wir die anderen beiden Haltestellen nicht erkannt haben, kann ich nicht sagen. Absencen? Dusseligkeit? Müdigkeit? Hunger oder Erschöpfung?

railroad tracks in city
Photo by Pixabay on Pexels.com

Doch wir sind da, und nur das zählt.

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