Mazara del Vallo

Bevor wir weiterfahren, wollen wir uns jedoch noch Mazara del Vallo ansehen, an dessen Vorort die sagenhafte Werkstatt liegt. Da unsere Steffi wiedermal sehr ungenau arbeitet, finden wir uns unversehens im Hafen wieder. Es ist ein kleiner Hafen mit verschiedenen Becken und Trockendocks. Dass wir auf dem falschen Weg sind zeigen die Gesichter der Hafenarbeiter. Endlich steht das Auto auf einem öffentlichen Parkplatz nahe dem Ufer. Nach dem Malheur in Pizzo bin ich gleich auf der Suche nach dem Automaten, wo ich bezahlen kann. Ich finde keinen und unversehens steht ein junger arbeitssuchender Mann recht dunkler Hautfarbe und mit auffallend schlechter Körperhaltung vor mir und verspricht, ER würde BESTENS aufs Auto aufpassen. Wieder aufgesessen! Ich zücke schon ein Geldstück, als er seine Verwandtschaft rangewunken hat. Mein Geldstück verschwindet wieder in der Tasche und wir gehen nach dem Abschließen des Fahrzeugs mit erhobenem Kopf in die Stadt. Der Ort ist sehr hübsch, vor allem scheinen alle Einwohner gemeinsam beschlossen zu haben, je nach Interessenslage und künstlerischem Talent Straßen und Wände farbig zu gestalten. So finden sich auf Garagentoren, Wänden, Mäuerchen Bilder und Mosaike, in der Luft schweben Schirme. Es ist bunt und authentisch.

Irritiert sind wir, als punkt zwölf Uhr ein Muezzin seine Stimme vom Band über den Ort schallen lässt. Es ist so laut, dass fast keine Unterhaltung in dieser Zeit möglich ist. Herr W. ist auf der Suche nach einer kleinen alten Kirche St. Nicola, die im Reiseführer als sehenswert beschrieben ist. Doch statt ihrer finden wir in einer Werkstatt neben einer barocken Kirche einen Mann, der sich zum Hobby gemacht hat, aus Spanplatten, Kleber und Farbe alle Kirchen und alten Bauwerke der Umgebung maßstabsgerecht nachzubauen. Stolz lässt er uns gegen eine Spende in die Werkstatt. Der alte Herr zeigt uns die Richtung, in die wir gehen müssen, um St. Nicola zu finden. Aber schon an der nächsten Ecke haben wir die Orientierung verloren. Die Gässchen sind zu eng für Fahrzeuge, haben Stufen und man steht oft unversehens vor einer privaten Haustür. Für mich ist das spannend, weil man einen Eindruck vom Leben der Menschen hier bekommt. Einmal riecht es köstlich, weil auf einem alten Topf mit glühender Kohle ein einfacher Rost liegt mit Thunfischsteaks, an einer anderen Tür steht eine Schüssel mit gerösteten Paprikaschoten zum Auskühlen. Immer müssen wir Laki im letzten Moment zurückziehen, weil sie ebenso wie wir den aufregenden Düften spontan verfällt. Wir trinken einen Kaffee und Herr W. bestellt sich ein Cannolo, das ist eine frittierte Mürbeteigrolle, gefüllt mit Ricotta und Sahne und Schokolade, manchmal noch mit kandierten Früchten. Eine Sünde, die zwar direkt auf die Hüften wandert, es aber definitiv wert ist. Hier wird er sogar extra für ihn frisch gefüllt. Wir kommen zum Auto, natürlich ist der Aufpasser weg, was uns aber ganz recht ist. Als wir schon aus Mazara del Vallo herausfahren sehe ich sie plötzlich aus dem Augenwinkel rechts, die Chiesa San Nicolo. Wir halten an, Laki passt widerwillig auf und wir steigen die paar Stufen zur Kirche hoch. Sie ist geschlossen, wir machen einige Fotos und nun geht es endlich an den südlichsten Ort unserer Reise.

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