Griechische Tempel und Zauberpflanzen – als das Auto kaputt ging …

Normalerweise dürfen Hunde ja nicht in Museen und Ausstellungen – in Italien schon gar nicht. Aber die Ausgrabungen von Selinunte sind ein so großes Areal, dass wir Laki ein niedliches rosa-schwarz gemustertes Halstüchlein umbinden, den Kackbeutel deutlich sichtbar aus der Tasche schauen lassen und den Maulkorb – auf italienisch muzzolo – bereit halten. Das Auto stellen wir auf den kostenlosen Parkplatz ab und wenden uns dem modernen Eingangsbereich zu. Es gibt ein Schild, das die dos und dont’s anzeigt: Hunde müssen an der Leine sein und einen Maulkorb tragen. Nun ist es so, dass ich immer mal wieder halbherzig und mit Unterstützung von viel Gouda geübt habe, dass Laki einen Maulkorb trägt. Aber sie hat ihn noch niemals längere Zeit getragen, höchstens mal eine Minute und dann wurde sie über die Maßen gelobt und bekam ihn abgenommen. Aber heute gilt es. Ich binde ihn ihr ganz locker um, quietsche für Laki und die Umstehenden gerade noch hörbar Lob und Ermunterung und Herr W. kauft in dieser Zeit rasch für uns die Tickets. Neben der Kasse steht eine Aufpasserin, die mich mit unbewegter Mine beobachtet, wie ich Laki mit ihrem Maulkorb bei Laune halte. Es dürfte ihr klar gewesen sein, dass ich den Maulkorb abnehme, sowie wir um die Ecke sind. Und so ist es auch. Wir passieren MIT Maulkorb und befreien das arme Tier, sowie wir unbeobachtet sind. Kurz danach macht Laki auf das Ausgrabungsgelände ihr Häufchen und ich entsorge es vorbildlich. Hoffentlich haben das alle gesehen, dass die Deutschen die Hundekacke eintüten und im Abfalleimer ablegen! Endlich werfen wir einen Blick auf die Ruine des ersten Tempels und die großen Trümmerhalden, die von den beiden anderen Tempeln noch übrig geblieben sind. Doch da gibt es schon die nächste Ablenkung. Eine erstaunliche glockenförmige Blüte ist da, niedrig und mit Blättern ähnlich einer Primel. Ich bin begeistert und Herr W. dem Wahnsinn nah. Irgendwie hab ich meine Augen immer mehr auf dem Boden als oben bei den Sehenswürdigkeiten. Und niemand zahlt Eintritt für lila Blümchen und Hundekacke. Also wieder zum Tempel.

Malerisch hebt er sich vom azurblauen Himmel ab. Er ist wirklich gut erhalten. Ich hab da allerdings keine Vergleiche, dies ist mein erster Tempel. Man sieht die Säulen, ein Teil des oberen Gesimses ist noch da, mit Phantasie kann man in Gedanken die Stufen ergänzen und die Cella, in der das eigentliche Heiligtum ausgestellt war. Die Tempel waren früher auch farbig gestaltet. Schautafeln zeigen, wie die Säulensegmente wohl aus dem festen Stein geschlagen und mit Hilfe von Seilen und Ochsen über viele Kilometer transportiert wurden. Kaum vorstellbar, was die Menschen über 500 Jahre vor Christi Geburt zuwege gebracht haben!
Doch nun gibt es viele derartige violette glöckchenförmige Blümchen. Ich kann nicht widerstehen und frage meine App. Die Antwort ist eindeutig. Es ist Alraune! Nun ist auch Herr W. interessiert. Das Zusammentreffen von griechischen Tempeln mit dutzenden von Alraunepflanzen ist auch für ihn schon etwas besonderes.

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Ein ganzes Stück weiter stehen noch viel mehr Gebäudeteile. Der Tempel dort ist besser erhalten, es gibt eine Siedlung und eine Wehranlage. Dorthin muss man allerdings ein ganzes Stück laufen. Dafür haben wir zu wenig Wasser für uns und für Laki. Daher drücken wir uns nochmal an der Kasse vorbei nach draußen, gehen zum Auto und rüsten uns für den weiteren Weg. Es lohnt sich. Der Weg dorthin ist neu gepflastert und führt an einem palmenbestandenen Gelände vorbei, wo es kürzlich gebrannt haben muss. Da finden wir haufenweise versteinerte Muscheln und verkokelte Palmenteile. So etwas zieht immer meine Aufmerksamkeit auf sich und während Herr W. innere Bilder sammelt und seine Erkenntnisse bezüglich der Größenverhältnisse und Proportionen bei griechischen Tempeln bestätigt und erweitert, sammle ich Fundstücke und fotografiere. Wir klettern über Steine, wandeln jahrtausendealte Wege, mutmaßen über die Verteidigungsanlage. Als wir endlich wieder am Ausgang sind, sind alle müde und ich habe einen Sonnenbrand auf dem Decolte.
Das Auto ist völlig überhitzt, daher beeilen wir uns, zum Campingplatz zu kommen. Herr W. parkt ein. Das kratzende Geräusch rührt von den Olivenzweigen her, die über das Fahrzeug streichen. Doch dieses mal kreischt es lauter und als ich gucke, zerstiebt das Kunststofffenster gerade unter dem Druck eines abgesägten Astes. Panisch setzt Herr W. zurück und kommt zum Stehen. Niemandem ist etwas passiert, das Fenster jedoch ist hinüber. Wir steigen aus und besehen uns den Schaden, die Platznachbarn sind umgehend zur Stelle. Fürs erste muss das Loch provisorisch geschlossen werden, gab es doch gestern etwas weiter östlich der Küste extrem schlimme Unwetter. So kommt es, dass kurze Zeit später ein Unterfranke, ein Oberfranke und ein Hesse gemeinsam Swirl-Mülltüten mit silbernem Panzertape aus dem Penny-Markt vor das Loch kleben. Abendessen, ein Bier für jeden von uns (die haben hier 600ml-Flaschen, sehr entgegenkommend!) …

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… und morgen ist auch noch ein Tag!

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