Cuba – wo ist Zisa?

Nein, Fidel Castro hat hier nicht mitgemischt. Die Cuba in Palermo ist ein alter verfallener Sommerpalast der Normannenkönige, damals etwas außerhalb der eigentlichen Stadt, heute zufällig direkt neben unserem Wohnmobilstellplatz. Daher bleibt Laki mehr widerwillig als freudig im belüfteten und beschatteten Wohnmobil zurück und wir lösen zwei Eintrittskarten. Wir sind zunächst die einzigen Besucher. Die Cuba ist ein würfelförmiges Gebäude (daher rührt wohl auch der Name), das ursprünglich inmitten eines wundervollen Gartens mit seltenen Tieren und Pflanzen und und, ähnlich des Tadsch Mahal, inmitten eines künstlich angelegten rechteckigen Sees lag. Heute liegt die Ruine hinter einem baufälligen Tor direkt an einer Einfallstraße. Das hatten die Normannenkönige sicher anders geplant. Das Dach ist abhanden gekommen, und man braucht viel Phantasie, bis man sich vorstellen kann, wie damals die Wohnverhältnisse und die sommerliche Hofhaltung funktionierten. Nur an einer Stelle ist noch der ursprüngliche Wandschmuck erhalten. Herr W. will mir anhand seines es mitgebrachten Buches erklären, dass sich dieses Dekorationselement Muqarna nennt. Freudig gebe ich meinen Senf dazu und da nimmt die Katastrophe ihren Lauf: Er fühlt sich unterbrochen und klappt eingeschnappt das Buch zu und ich laufe zu voller Form auf. Mit einiger Lautstärke stehe ich auf und gehe wütend in die Mitte des Raumes, um meinem Unmut Raum zu geben. Dass die Akkustik hervorragend ist und die Wirkung meines Auftritts aufs Beste untestützt, sehe ich am verdatterten Gesicht von Herrn W. Aber ich kann nicht aufhören. Mein Rundumschlag kennt kaum Grenzen und findet erst ein Ende, als mir Luft und Argumente ausgehen. Mit durchgestrecktem Rücken schreite ich zum Ausgang, wo eine Angestellte des Komplexes hinter einer Säule steht. Unsicher und leicht indigniert schaut sie mich an. Mist. Das war nicht beabsichtigt. Aber hier in Italien ist das eine mögliche Reaktionsweise für eine Frau, das habe ich so nebenbei im lokalen Fernsehen mitbekommen. Herr W. kommt ebenfalls heraus und wir legen die ganze Sache so spontan und beiläufig bei, wie sie entstanden ist.

Draußen gibt es noch eine winzige Ausstellung, von der wir recht wenig verstehen, weil sie komplett in italienisch gehalten ist. Anschaulich ist ein Modell der Anlage zur Zeit der Normannenkönige, das den damaligen ländlichen Eindruck verstärkt gegen den derzeit anbrandenden Verkehr von draußen.

Einmütig beschließen wir, dass wir nun auch noch die Zisa besichtigen. Das ist ein vergleichbarer Palast in kleiner Entfernung, nur besser erhalten und auch aktuell noch genutzt. Herrn W.s Stadtplan gibt den Weg vor und wir gehen los. Zunächst laufe ich einige Zeit unkritisch nebenher, aber bald merken sowohl Herr W. als auch ich, dass der Weg wohl in die falsche Richtung führt, denn wir sind in nächster Nähe des Normannenpalasts, und der ist eindeutig im Stadtkern. Wir hangeln und an der Karte weiter. Der Weg führt uns durch kleinteilige Wohngebiete, in spitzem Winkel an einer Pferdemetzgerei vorbei, immer fast im Wohnzimmer der Anwohner, da die Fußwege nur durch eine meist offenstehende Tür von den Wohnküchen getrennt sind. Weiter kommen wir an einer inmitten der Stadt gelegenen Gemüsegärtnerei vorbei, wo junge Pflänzchen jetzt im Oktober noch unter freiem Himmel ausgepflanzt wurden und sicher noch zur Marktreife gelangen. Der Gärtner sprüht Gift, reichlich. Ein kleiner Platz mit Altar für Padre Pio führt uns bergan, vorbei an Menschen, die vor Häusern sitzen und essen, Hunden, die davor warten – in eine Sackgasse. Ich frage Lady Google-Maps und sie sagt: komplett falsch!!!! Umkehren!!! Von ihr lassen wir uns nun zur Zisa lotsen, so wie kein Stadtplan der Welt es gekonnt hätte. Wir gehen schmale Sträßlein, biegen unvermutet in scheinbare Einfahrten und Eingänge ab, steigen über Treppen und wir sind da. Mittlerweile muss ich mal wieder aufs Klo. Dringend.

Wir kriegen gerade noch mit, dass die Zisa genau heute geschlossen ist, ich mache vom öffentlichen Park davor das Foto für diesen Blog und wir suchen ein kleines Cafe, wo es ein Klo für mich gibt. Herr W. regelt charmant Kaffee für uns beide und für sich ein vanilliges Süßgebäck und ich tue, was ich tun muss. Lang können wir nicht sitzen bleiben, denn Laki wartet und es wird zunehmend wärmer.

Wieder lotst uns Lady Google-Maps durch irrwitzige Wege über einen Markt. Dort gibt es Obst und Gemüse. Wo wir doch gerade keinen Knoblauch mehr haben (in Sizilien!!!), gucke ich mich um. Hier gibt es abgepackt jeweils sieben Kaktusfrüchte, bereits geschält. Darüber ein Schild „-.99 Euro“. Einen Versuch wäre das doch nochmal wert! Ich nehme ein Paket und den Knoblauch, der junge Mann fordert 4,- Euro. Da ich heute offenbar auf Krawall gebürstet bin, begehre ich auf und verstricke ihn in einen mehrsprachigen Streit, in den sich auch die anderen Angestellten einschalten. Herr W. bleibt sicherheitshalber zurück, weiß er doch, wie es einem mit mir heute ergehen kann. Die Sache endet damit, dass ich wutentbrannt die Ware zurücklege und davonstiefele.

Wir kommen kurz danach bei Laki an, die sich wieder freut und dann begeistert zurück ins warme Wohnmobil hüpft. Den Nachmittag verbringen wir im Cafe und den Abend in unserem neuen Lieblingsrestaurant, wo heute ein Geburtstag stattfindet. Nachdem wir uns müdegeguckt haben, gehen wir ein letztes Mal zu unserem Stellplatz. Morgen geht es weiter in den Süden Siziliens.

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