Palermo ist ganz anders!

Schon im Vorfeld habe ich Herrn W. wahnsinnig gemacht: „Nach Palermo fahre ich nicht, da ist es gefährlich, das ist eine Millionenstadt (ist es nicht), das organisierte Verbrechen wird unser Verderben sein, die Straßen sind so eng und unser Wohnmobil wird anstoßen, es wird aufgeknackt, …“ so in etwa. Herr W. ist etwas irritiert und meint nur, dann können wir uns das ja sparen. Ich greine, dass ich dennoch nach Palermo will, aber … , aber … , aber. Soll es mir mal einer Recht machen!
Als ich selbst im Internet recherchiere, finde ich einen Wohnmobilstellplatz in Laufweite zum Normannendom, der von einer ganzen Reihe von Deutschen positiv mit fünf Sternen und Lobeshymnen bedacht wird. Den geben wir der Steffi als Ziel. Wir finden ihn ganz leicht: Rein nach Palermo, dann rechts weg und dann links. DAS fängt mal gut an. Der betreuende Parkwart ist sehr freundlich und nun stehen wir zusammen mit anderen Wohnmobilen und vielen PKWs auf einer Freifläche zwischen lauter Wohnblocks. Die Leute auf den Balkonen schauen auf uns und wir schauen auf sie. So sieht wohl soziale Kontrolle aus. Es gibt hier ein supersauberes Klo, ein großes Becken an einer Wand für Geschirr und Wäsche, einen Ablassplatz für Flüssigkeiten, Schläuche für Frischwasser, eine Dusche. Trotzdem ist es eigentlich ein Stellplatz für Autos und nur nebenbei einer für Wohnmobile. Die Pforte ist rund um die Uhr besetzt, die Wachleute erkennen und grüßen uns, ich fühle mich sicher.

Wir schnappen uns am späten Nachmittag die Laki und laufen in die Stadt. Die Innenbesichtigungen werden verschoben auf den nächsten Tag, wir wollen uns lediglich einen Überblick verschaffen. Auch hier ist es gegenüber des Doms sehr touristisch, aber diese Stadt ist groß, da kann man das leicht ausblenden. Der Dom liegt im Glanz der tiefstehenden Sonne, ich sehe etwas weiter runde arabische Kuppeln, enge dunkle Gassen, monströse Brunnen, einen Platz namens Quatro Canti mit vier abgerundeten Ecken, quirlige Straßen, übergroße graue Prunkbauten, ich ahne verborgene Gärten und lauschige Höfe. So langsam wird mir klar, dass an meinem Vorurteil über Palermo so ziemlich alles falsch ist, weil es eben ein VORurteil war. Ich steigere mich in Begeisterung. Diese Vielfalt der Kulturen! Diese Aufbruchsstimmung hinter der Universität! Welcher Reichtum an Initiativen! Herrn W. wird langsam Angst und Bang. Er scannt unser Umfeld und versucht mich zu bremsen. Allein, ich bin nicht zu halten, fotografiere, verschlinge alles hingerissen mit Blicken. Hinterher eröffnet er mir, dass er im Viertel zwischen Bahnhof und Quatro Canti mehrere Male die Blicke der dort wohnenden Menschen aufgefangen habe, und dass diese nicht immer so wohlwollend waren, wie ich das interpretiert habe.

Da Laki allmählich müde wird und wir so langsam Hunger kriegen, beschließen wir, sie an den Wohnmobilstellplatz zurückzubringen und sie zu füttern. Wir selbst wollen in einem kleinen Restaurant zu Abend essen, das typisch sizilianische Küche verspricht, aber erst gegen 20:00 öffnet. Dieses Lokal erweist sich als sehr gut. Es sind viele Einheimische dort und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, denn alles auf der Karte klingt unglaublich lecker. Der Hauswein, dem wir beherzt zusprechen tut sein übriges. Dieses Lokal wird für die Zeit in Palermo unser Stammlokal.

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