Tartuffi in Pizzo, Komplimente in Tropea

Vor der Abreise habe ich zu Hause noch in den alten Geo-Saison-Heften gestöbert und dabei im Heft 3/2000 (ja, ich bin Jägerin und Sammlerin – das bringt mein Beruf so mit sich) einen Artikel über Italiens schönste Dörfer gefunden. Pizzo, eines davon, liegt genau auf unserem Weg. Also machen wir uns auf, nachzuprüfen, ob der Redakteur recht hat und vor allem, ob das heute, 18 Jahre später immer noch zutrifft.
Gleich rechts, am Dorfanfang, ist ein ziemlich großer Parcheggio und es gibt sogar noch freie Plätze. Wir überlegen noch, ob wir uns nicht zu schräg hingestellt haben und ob die anderen Fahrzeuge gut um den Ducato rum kommen. Dann machen wir uns auf ins Dorf. Schön ist irgendwie anders. Eine Straße, viele Häuser, wenig Platz für Fußgänger und Autos. Nichts weltbewegendes. Bergan eine Steige, wir erklimmen sie. Oben kommen wir an ein malerisches Gässchen, weitere Steigen gehen nach links hoch, es ist zu eng für Autos, dafür haben die Fußgänger genug Platz.

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Leider gibt es auch unendlich viele Läden, die ihr Sortiment gezielt auf Touristen abgestimmt haben. Als wir an einem Schuhladen vorbeikommen öffnet der gerade nach der Siesta. Die Verkäuferin legt die Ware heraus auf die Straße. Ein Paar Sandalen gefällt mir, aber 36 ist zu klein. Ich frage nach und der Besitzer holt ein Paar in 40 aus dem Nachbarhaus. Eigentlich brauche ich 41, aber Verkäuferin und Besitzer reden mir gut zu. Ich nehme sie und stelle hinterher fest, dass ich gut daran getan habe, sie passen sehr gut und ich laufe gerne in ihnen. Was will Frau mehr für 28 Euro!

Pizzo ist berühmt für den Tartuffo, eine knapp schneeballgroße Eisbombe mit schokoladigem oder anderem leicht flüssigem Kern. Er wurde dort erfunden und ist mittlerweile in ganz Europa bekannt. So ist es nicht verwunderlich, dass jedes Lokal am Hafenvorplatz ausschließlich mit dem Tartuffo wirbt, mit verschiedenen Sorten Tartuffi und damit, dass ausgerechnet in genau dieser Konditorei vor Zeiten ein einsamer Patissier nächtens diese Leckerei erfunden hat. Zeitungsausshnitte – in deutsch!!! – sollen das flanierende Publikum überzeugen. Wir probieren einen Tartuffo. Er ist lecker.
Wir haben keine Lust mehr, uns durch die touristische Meile zu quälen, die im Sommer vermutlich der Drosselgasse ähnelt. Daher steigen wir hinunter und umrunden das Dorf durch schilf- und baumbestandenes Ödland und kommen auf diesem Umweg wieder auf dem Parkplatz an. Die Überraschung ist ein weißer Zettel hinter dem Scheibenwischer. Wir hätten ein Ticket ziehen müssen in einem Automat den ich auch jetzt nicht entdecken kann. Strafe: 41 Euro. Wenn ich das den Sandalen hinzuschlage, sind sie mir recht teuer gekommen.

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Weiter geht es nach Tropea. Dort wollen wir einige Tage bleiben. Tropea liegt hoch oben auf einem Felsplateau, das Meer und die Strände sind unten. Zwei endlose Treppen und zwei serpentinenreiche Straßen verbinden beides. Wir kommen gegen Abend an und finden in Strandnähe gleich einen netten, sehr sauberen, baumbestandenen Campingplatz, der noch geöffnet hat. Dies wird zunehmend unser Problem, dass viele Stellplätze oder Lokale zum 1. Oktober schließen. Wir richten uns ein, essen eine Kleinigkeit und ich schnappe mir Laki, weil ich noch mit ihr runter zum Strand will. Dort ist es jetzt am Abend fast leer. Aus den kleinen Standlokalen duftet es lecker. Die Luft ist lau. Wellen schlagen leicht an den Kiesstrand, über dem Meer strahlt der Himmel noch in aufregenden Rottönen vom Sonnenuntergang. Am Horizont ist eine Insel zu sehen, wie ich hinterher erfahre, ist es der Stromboli. Ich ziehe die Schuhe aus, hebe das Kleid an und wate durch das warme Wasser. So stellt man sich Italien vor! Ich komme mir vor wie in einer Filmszene aus einer 60er-Jahre-Schmonzette. Alles passt. Als Laki und ich wieder zur Treppe kommen, trifft Laki einen anderen Hund, sie schnüffeln und laufen gemeinsam ein wenig herum, der italienische Besitzer kommt dazu. Ich trage meine vier Brocken zum Gespräch bei, der Italiener sagt ein bisschen mehr, ich verstehe es nicht wirklich. Aber das wichtigste kriegt man immer so ungefähr mit, zumal es um die Hunde gegangen sein wird. Als wir weitergehen, kommt mir ein anderer Italiener entgegen und spricht mich auf Englisch an. Er lobt meine wunderschönen Beine und fügt hinzu, dass er mich schon von weitem gesehen habe. Das sei das Schönste an seinem Job, dass er so viele wunderschöne Frauen treffe. Obwohl ich kein einziges Wort glaube, landet er einen Volltreffer. Jetzt bin ich fast 60 und ein italienischer Gigolo macht sich die Mühe, mir Komplimente zu machen. Beschwingt kehre ich zum Campingplatz zurück.

 

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