In Tropea

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Das Wetter ist wundervoll, so ziehe ich die neuen Sandalen an, ein luftiges Sommerkleid und wir schlendern los. Nahe des Strandes gibt es einen großen einzeln stehenden Felsen, darauf thront ein maurisch verziertes Kirchlein und man hat einen wundervollen Blick über das azurblaue Meer. Danach gehen wir weiter, hoch in die Stadt. Sie ist ebenso touristisch wie Pizzo, aber größer und daher fällt das weniger auf. Hier an diesem Ort überkommt mich immer wieder das Gefühl im Italien meiner Kindheit gelandet zu sein. Das Meer ist strahlend blau, die Sonnenschirme stehen farblich geordnet in Reih und Glied, es sind nur wenige Touristen da, die Italiener sind überaus freundlich, das Wetter ist strahlend, das Essen lecker, das Eis unübertroffen. Selbst die Farben auf den Fotos scheinen aus einer anderen Zeit zu stammen.

Am Abend essen wir in einem kleinen Strandlokal. Ich kriege die unvergleichlichen Spaghetti alle Vongole, die ich so liebe und dazu einen Insalata Tropea, der aus Tomaten, Kapern, Oliven und den Zwiebeln aus Tropea besteht. Diese Zwiebeln sollen besonders gut sein und tatsächlich habe ich niemals solche gegessen. Sie sind rot und zart und unglaublich fruchtig. Man könnte sie fast essen wie einen Apfel. Sehr, sehr lecker! Am Horizont ist im Schein des Abendrots der Stromboli zu sehen. Er steht da wie ein oben eingekerbtes Dreieck, groß und unverrückbar glüht er über dem Meeresspiegel. Man sieht sogar eine kleine Wolke, die aus einer Eruption stammt.

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Am nächsten Morgen ertönt Geschrei. Ein winziger dreirädriger Wagen wird von einem ebenfalls winzigen spindeldürren Italiener mit Gebrüll auf den Platz gefahren: „Pesche, pesche fresci!“ Wir sollen Fisch kaufen. Meine Neugierde ist wie immer größer als meine Vernunft. Ich zeige mich interessiert und damit habe ich verloren. Er öffnet silberne Alukisten mit Eis und absolut frischen kleinen Thunfischen und welchen, die er „spigole – regina di mare“ nennt. Ich versuche den Preis zu erfragen, da weiß er schon, dass ich mehr als das touristische Interesse hege. Er ignoriert meine Frage und hält mir einen unter die Nase. Ich soll die Frische bestätigen, was ich tue, denn sie sind wirklich ganz frisch. Dann legt er einen in eine Tüte, ich frage wieder nach dem Preis, er sieht Herrn W. und legt einen zweiten dazu. Ich sage „due“ und er legt einen dritten dazu und knotet die Tüte zu: 20 Euro. – Mist. Wieder abgezockt. Ich hätte einfach weggehen sollen. Jedoch, es endet lecker. Auf dem Platz gibt es einen riesigen Grill, wir kaufen Holzkohle (leider haben wir keine Alufolie), der Herrscher über den Campingplatz hilft uns den Grill anzuheizen, was er schon den ganzen Nachmittag über mit sichtlicher Vorfreude angeboten hat, und wir genießen zum Abendessen die unglaublichen weißfleischigen und saftigen Fische, Kartoffeln und gedünstetes Gemüse. Und sogar für Laki hat sich der Deal gelohnt, drei Fischköpfe nach dem üblichen Futter, das ist mehr, als ein Reisehund erwarten kann.

Das Gas ist alle! Mist. Ich frage den Cheffe dei Camping und er erklärt mir, dass oben, nahe des Friedhofs ein Laden sei, wo man Saatgut und allerlei Gartenbedarf und eben auch solche Gasflaschen kaufen könne. Bis dahin ist jedoch guter Rat teuer. Aber die Lösung wartet im Kofferraum des Ducato: Kurze Zeit später ertönt das Vorwerksche „Tüdelidü!“. Ich habe Kaffeewasser einfach im Thermomix gekocht! Aber natürlich wollen wir eigentlich mit Gas kochen. Daher packe ich die leere Flasche in meinen Wanderrucksack, Herr W. nimmt Laki an die Leine und wir erklimmen die unzähligen Stufen. Wir müssen mehrere Male fragen, bis wir endlich den richtigen Laden finden. Ich öffne den Rucksack und stelle das leere Trumm auf den Ladentisch. Der massige Verkäufer sagt lakonisch „Bomba.“ Bomba, so haben wir mittlerweile gelernt, ist in Italien ein Wort, das für alles mögliche gut ist. Sei es eine scharfe Würzpaste, ein gewagter Sprung oder eben eine Kartusche – alles BOMBA. Die neue, deutlich schwerere Gasflasche trägt Herr W. dankenswerterweise und er guckt auch nochmal, als ich alles klopfenden Herzens angeschlossen habe. Das wird mit einem löslichen Kaffee gefeiert!

Am letzten Tag gehe ich nochmal im Meer baden. Das Wasser ist warm und samtig, kristallklar und so sauber, dass ich ohne Schnorchel ganz viele Details auf dem Meeresboden sehen kann. Ich aale mich und genieße es, ich will gar nicht mehr raus. Herr W. steht in Badehose am Strand und wacht. Über mich – und über den Stromboli. Nach seiner eigenen Auskunft war das bislang die größte Überraschung dieser Reise, wie nahe der Vulkan dem Festland ist und wie klar er abends zu sehen ist.

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