Trani

Wind. Was für ein Wind. Ein unglaublicher Wind! Wir kommen auf den Platz vor der Kathedrale in Trani bei strahlendem Sonnenschein an, finden einen Parkplatz und steigen aus. Fast haut es uns um. Meine Haare wehen mir kreuz und quer um den Kopf und ich kann kaum gucken. Herrn W. macht es weniger aus, aber das liegt an den Haaren. Laki stemmt sich gegen den Sturm und läuft bei uns mit. Lautstark tost das Meer an die Brüstung, gischtet gegen Felsbrocken, wird hoch geschleudert und hüllt alles in feinen Wassersprühregen. Man kann sich kaum verständigen. Da wir wieder nacheinander in die Kathedrale müssen, hat derjenige, der gerade auf Laki aufpasst, das Problem, einen einigermaßen windgeschützten Platz zum Warten zu finden. Kalt ist es auch noch. Nur die Sonne scheint hell vom azurblauen Himmel. Verrückt.

Entlang des malerischen Fischerei- und Yachthafens laufen wir über die Altstadt. Fischer verkaufen jetzt am Abend kleine Tiere, ich vermute irgendwelchen Beifang. Das kann nicht teuer sein. Und da Laki kürzlich am Strand von Mattinata sich selbst mit Fisch versorgt hat, erscheint es mir sinnvoll, zwei Hand von den Winzlingen für den Hund zu erstehen. Herr W. schärft mir ein, denen bloß nicht zu sagen, dass es für den Hund ist. Sie könnten es missverstehen und mich für durchgeknallt halten. Also frage ich höflich nach dem Namen der Tierchen. Triglie seien das. Ich solle sie mehlieren und in Fett ausbacken. Dazu nicke ich verständig und ordere zwei Hand voll. Als ich meinen Kauf in der Tasche verstaue, erfahre ich den Preis. Sechs Euro sollen die kosten. Für eine Vorspeisenplatte erscheint das angemessen, aber für Hundefutter? Ich schlucke meine Überraschung hinunter und zahle. Im letzten Sonnenlicht trinken wir einen Espresso auf einem Platz. Als es kalt wird, steuern wir auf die Mole zu. Da steht ein schweizer Wohnmobil, fertig verhängt für die Nacht. Daneben ist noch Platz. Das ist eigentlich ein prima Gedanke, wir wissen eh noch nicht, wohin diese Nacht. Und das gesparte Geld kann in ein Abendessen in einem der netten Lokale investiert werden. Rasch laufen wir zurück zum Wohnmobil und geben der Navigationssteffi die Straße an der Mole ein. Leider weiß Steffi in Trani so rein gar nichts über Einbahnstraßen und Fußgängerbereiche, über die Höhe der Balkone und die Breite der Fahrbahnen. Herr W. kurvt sich um Kopf und Kragen. Endlich stehen wir am anvisierten Platz. Da kommt ein Tranier, so nenne ich ihn mal, mit Blockwartauftrag vorbei. Er läuft hin. Er läuft her. Er lässt unser Fahrzeug nicht eine Sekunde aus den Augen. Wir füttern Laki mit den Triglie und ein paar Zwetschgen, sie frisst mit verhaltener Freude. Eigentlich ist das untypisch für mein verfressenes Vieh. Der Blockwart ist immer noch am vorbeigehen und gucken. Daher verzichten wir darauf, das Wohnmobil für die Nacht vorzubereiten und schließen stattdessen alles besonders gründlich ab.

Wir laufen durch die abendlichen Gassen und studieren die Karten der Restaurants. Das Menue Touristico wird spontan verworfen, Herr W. möchte sich mit Schwertfisch auf Sizilien einstimmen, ich will einen gegrillten Fisch, gerne mit Kopf, weil das die Laki doch immer so freut (und ich mich so gern weide am erstaunten Blick der Kellner, wenn sie die abgegessenen Teller mit Gräten ohne Fischköpfe vorfinden). Wir haben Zeit, denn die Lokale öffnen erst spät.

Das Essen ist wunderbar. Plötzlich wird es laut draußen. Ein Feuerwerk steigt auf, aber wegen der engen Gassen kann ich keinen Blick darauf erhaschen. Die Wirtin erklärt uns, dass es anlässlich des Gedenktags der Zwillinge Sankt Cosmas und Damian Medici am 26. September abgefeuert wird.

Wir spazieren zu unserem Wohnmobil, der Blockwart ist verschwunden, dafür spielen die Kinder der Umgebung im vergitterten Park lautstark und mit Feuereifer Fußball. Man kann nicht alles haben.

Ich checke mein Handy. Da hat mir der Schwiegersohn eine sms geschrieben. Das tut er sonst nie. Wir verkehren digital eigentlich per facebook oder whatsapp. Das muss wichtig sein: Es gibt eine Sturmwarnung für das Gebiet, in dem wir uns aufhalten. Wir sollen vorsichtig sein und uns informieren. Wie wir später erfahren, ist der Wind, den wir heute erlebt haben, eine Randerscheinung de Sturms.

Am nächsten Morgen hat sich das Wetter etwas beruhigt. Ich biete Laki wieder einige von den teuren Fischen an. Sie frisst alles drumherum auf und lässt die Fische liegen. Wie sagt man so schön: Wer trotzt an der Schüssel, der schad’t sei’m eig’nen Rüssel. Was so viel heißt wie „Pech für dich. Kriegst du die Fische eben heute abend wieder vorgesetzt!“

Wir verlassen Trani, die verpeilte Navigationssteffi hilft wiedernicht wirklich. An einer Bahnschranke müssen wir warten und ich kaufe währenddessen ein Brot in einer winzigen Bäckerei. Weiter geht es. Unser nächstes Ziel heißt TRULLIS GUCKEN!

 

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