Zurück in den Sommer!

Wir frühstücken und füllen unseren Tank, denn am Abend vorher haben wir noch eine Tankstelle gesehen, die Diesel zu einem moderaten Preis anbietet. Dennoch ist das Tanken teurer als in Deutschland. Wieder schlagen wir uns mit der Technik herum, entweder wir sind zu alt für derlei oder wir sind zu dusselig.

Auf der Weiterfahrt tausche ich meine Bluse gegen ein armloses Shirt und mir schwant, dass ich völlig falsch gepackt habe. Hier ist es nicht herbstlich, sondern in Norditalien hält der Sommer an. Wie mag es erst weiter unten aussehen!

Wir queren die Po-Ebene, eine Landschaft, die mir so gar nicht zusagt. Ein Gespräch entspinnt sich, wie unterschiedlich landschaftliche Vorlieben sind, wie unergründlich und offenbar in frühester Kindheit angelegt. Ich brauche immer irgendwelche Höhenzüge, die meinem Blick Halt geben. Wenn ich das nicht habe, finde ich Vorwände, warum ich an einem Ort nicht sein mag.

Rimini lassen wir links liegen. Herr W. freut sich hier, dass vier Ladies im weißen Kleinwagen, die uns bislang unentwegt überholt und durch ihren etwas konfusen Fahrstil genervt haben, endlich abbiegen. Wir dagegen haben Ancona als Zwischenziel ins Auge gefasst. Auf der Italienkarte fällt Ancona als Knubbel oberhalb des Stiefelsporns ins Auge. Wir parken das Auto auf einem kleinen Platz und machen uns auf den Weg in die sonntäglich ruhige Stadt. Wir kommen an einer wunderhübschen alten romanischen Kirche vorbei, leider kann man nicht hinein. Es gibt mehrere Häfen, von wo man das Meer sieht und eine Kirche, die hoch über der Stadt thront.

Ein öffentlicher Aufzug bringt uns kostenlos nach oben. In solchen Situationen bin ich immer stolz, wie unkompliziert Laki solche Dinge bewältigt. Viele Treppen führen uns immer weiter nach oben. Die Kathedrale oben ist ebenfalls nicht geöffnet, aber wir haben einen traumhaften Blick über das sonnenbeschienene Meer und die Stadt zu unseren Füßen. Kalksteinstufen, viele mit versteinerten Ammoniten, führen uns allmählich wieder über die Altstadt in eine mondäne Fußgängerzone, wo wir eine Kleinigkeit trinken. Weiter gehts, Endspurt.

Der Gargano ist unser Ziel, Mattinata. Ich habe kürzlich ein Buch gelesen, welches hier spielt: NONNA von Thomas de Padova. Herr W. fand gleich, dass Mattinata ein prima Start für unsere Süditalientour sein könnte. Im letzten Sonnenlicht verlassen wir die Autostrada bei Foggia und biegen links ab. Bretteben ist es hier, aber kompakte Höhenzüge markieren die entlegenen und undurchdringlichen Berge des Gargano. Überall gehen Lichter an, nur oben in den Bergen bleibt es dunkel. Im Buch von de Padova ist die Rede davon, dass es da oben Wölfe gäbe. Vorstellbar ist es. Schilder weisen hin auf San Giovanni Rotondo, einen Ort zu Ehren des legendären Padre Pio, der weit über die Grenzen Italiens hinaus bekannt ist. Die Küstenstraße nach Mattinata ist gesperrt, stattdessen werden wir hoch in die Berge geführt. Endlose Serpentinen geht es hoch, die das Navi gar nicht mehr anzeigen kann. Ich halte mich mit zwei Händen fest und bremse lebhaft bei jeder Kehre mit. Herr W. ist hart am Arbeiten. Ohne es zu wissen, quälen wir uns zum Monte Sant’Angelo hoch, einem weiteren spirituellen Ort des Gargano. Endlich geht es abwärts. Schilder, die auf unseren Campingplatz hinweisen, gibt es gleich am Ortsanfang, alle mit dem Zusatz APERTO. Leider ist der Platz dennoch geschlossen, wie uns die Besitzerin schulterzuckend mitteilt. Ob es irgedwo einen anderen geöffneten Platz gebe? Sie wisse es nicht. Erneutes Schulterzucken. Wir machen uns auf in Richtung Vieste, was größer ist und hoffentlich noch einen Platz offen hat. Kurz vor dem Ortsende taucht rechts ein SOSTA CAMPER auf, Lichter blinken, Wohnmobile stehen in Reih und Glied. Wir biegen ein und erhalten einen Platz zugewiesen. Vor uns liegt das vom Vollmond beschienene Meer, einige Stufen hinunter finden wir links ein kleines Lokal. Auch wenn Herr W. den Ausdruck nicht mag: Es ist perfekt.

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