Heimwärts

Ich packe in aller Ruhe meine paar Sachen ins Wohnmobil, versuche noch einmal auf dem Campingplatz ins Internet zu kommen – was mislingt – und gehe mit Laki in Richtung Leuchtturm. Dabei inspiziere ich den Wohnmobilstellplatz von Contis, weil der Campingplatz schon arg teuer ist. Für die kommenden Reisen scheint der Stellplatz eine echte Alternative zu sein. Wir verabschieden uns von den Bekannten auf dem Campingplatz. Um die Mittagszeit fahren wir los.

Im Supermarkt von Mimizan ist schon Herbst. Nur noch wenige Touristen kaufen ein, es ist vermutlich mehr Personal als Kundschaft im Laden. Als ich weiter durch die Landes fahre, kommen mir etliche leere riesige Langholztransporter entgegen, die für den Einschlag in den Pinienwäldern anrücken. Ich habe entschieden, über die Girondemündung zu fahren, denn meine neu erworbende Karte zeigt statt der mir bekannten Fähre eine Brücke an. Das interessiert mich. Aber erst geht es durch das Medoc. Eine einzige Straße führt nach Norden, einspurig. Ort an Ort, Baustelle um Baustelle. Es zieht sich. Immer noch komme ich durch Pinienwälder, nur Schilder weisen auf Weingüter hin, die Weinberge selbst kann ich nirgends finden. Endlich ändert sich die Landschaft, flache Weinberge tauchen links und rechts auf. Mir kommen nun überraschend viele Taxen entgegen, ich denke als Taxifahrer hat man hier sein gutes Auskommen, weil viele Verkostungen sicher mit einem Ruf zur Heimfahrt enden. Irgendwann endet auch der Weinbau. Flache Polderlandschaft und riesige Pferdeherden bestimmen jetzt das Bild. Im Schein der tiefstehenden Sonne bekommt alles einen weichen sanften Schimmer. Es ist eine wunderschöne, fast magische Stimmung. Endlich komme ich an die Girondemündung. Mein suchender Blick nach der Brücke führt ins Leere, die einzige Fahrspur fächert sich auf und ich komme direkt hinter einem Schwertransporter zu stehen. Das Navi zeigt dieses Bild:

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Also doch eine Fähre. Ich gucke nochmal auf die Karte und merke, dass ich die Worte pont – Brücke und point – Punkt verwechselt habe. Ich muss nun in meiner Fahrzeugkolonne eine halbe Stunde warten, in dieser Zeit geht ein Wolkenbruch nieder. Endlich komme ich zum Zahlen. Der Mann im Kassenhäuschen hat sicher schon größere Wohnmobile gesehen und nimmt mir den etwas günstigeren Preis für ein Fahrzeug „gemischter Nutzung“ ab, kann aber kaum glauben, dass ich außer dem Hund keinen weiteren Menschen im Auto habe. Bei der Einfahrt in den Schiffsbauch komme ich wieder hinter den Schwerlasttransporter. Meine Aufregung scheint mir ins Gesicht geschrieben zu sein. Jedenfalls werde ich immer vor allen anderen weitergewinkt und so bin ich nach dem Laster die zweite in der Fähre und komme auch direkt hinter ihn. Laki und ich verlassen das Auto und eilen hoch auf das Vorderdeck. Weitere Leute kommen, ein heftiges Tuten ertönt mit viel schwarzem Dieselqualm und wir setzen über.

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Ich nehme Abschied vom geliebten Atlantik und wende mich Royan zu, wo das Schiff nach etwa 15 Minuten anlegt. Wieder bekomme ich bei der Ausfahrt die bevorzugte Behandlung, auch wenn ich dabei schon ein bisschen Angst habe, dass die Bremse des Lasters vor mir versagen könnte.

Royan hat einen Wohnmobilstellplatz und den steuern Laki und ich an. Es gibt wieder einen Automaten, der den Einlass bestimmt, dieses Mal muss ich eine Kundenkarte erwerben, die danach verifiziert wird, die dann aufgeladen wird und mit der ich dann zahlen kann. Es kommt mir fast wie der Beitritt zu einem Verein vor. Doch es funktioniert und der Platz ist gut geführt. Laki und ich wollen eine Kleinigkeit essen. Google Maps bietet außer Wegführung auch noch an, nach Lokalen in der Umgebung zu suchen. Zwei werden angezeigt, beide sind nur etwa 8 Minuten Fußweg entfernt, eines davon wird auf deutsch für das gemütliche Ambiente gelobt. Laki und ich machen uns durch das menschenleere Gelände auf den Weg.

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Das sieht zwar interessant aus, aber ich habe nicht den Eindruck, dass hier irgendwo ein gemütliches Lokal mit leckerem Essen auf mich wartet. Endlich habe ich es gefunden, das Avocette. Aber hier ist alles sehr, sehr edel, die Leute, die hineingehen sind überaus elegant angezogen und die Preise sind so, dass ich müde und verschwitzt mit Laki nicht hineinmag. Aber da gab es doch noch das zweite Lokal. Leider stellt sich heraus, dass dies erstens anders heißt, zweitens eine Bar ist und drittens Essen nur Mittags anbietet. Soviel zu Tante Google. Also gehen wir bei einbrechender Dunkelheit zurück zum Stellplatz. Glücklicherweise habe ich in Mimizan für Laki ein Dutzend Hühnerunterkeulen gekauft, einige davon ergeben zusammen mit meinen Vorräten eine leckere Gemüsereispfanne. An diesem Abend wird im Wohnmobil auch zum ersten Mal der Tisch aufgebaut. Ein Bier dazu – was will Frau mehr. Sogar kostenloses Internet habe ich hier!

Den nächsten Tag verbringe ich mit Fahren. Es geht überwiegend durch riesige landwirtschaftliche Flächen. Das Getreide ist abgeerntet, den Mais scheinen die Bauern stehen gelassen zu haben, weil sich aufgrund der Trockenheit wohl nur winzige Kolben ausgebildet haben. Ich verlasse die Autobahn erst am Abend und bezahle am Ende eine horrende Summe an der Peage-Station. Die Nacht verbringe ich auf einem Campingplatz in Verdun, den ich schon von früheren Besuchen kenne und gerne mag.

Bevor wir weiter fahren, machen Laki und ich noch einen großen morgendlichen Spaziergang. Es ist neblig, kühl und noch recht düster. Unübersehbar ist es hier schon herbstlich. Laki frisst soviele Äpfel, wie in den kleinen Hundebauch hineinpassen. Die hat sie ganz offensichtlich sehr vermisst.

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Heute will ich nicht mehr auf der Autobahn fahren, irgendwann muss ja auch mal gespart werden. Der Tank ist auch bald leer. Die Navigations-Steffi führt uns Richtung Deutschland durch eine Reihe von Ortschaften. Aber es gibt hier keine Tankstellen. Fast auf Reserve steht der Zeiger. Ich werde wieder ein bisschen nervös. Rechts ist ein Lidl-Markt. Lidl lohnt sich, denke ich mir, und wirklich, heute sind hier Weinwochen! Ich kaufe Wein von allen Regionen, in die diese Reise geführt hat und lade ihn in mein Wohnmobil. Über Luxemburg gelange ich nach Deutschland. Eine freie Tankstelle lässt die Kreditkarte erneut glühen, aber es ist viel billiger, als es in Frankreich gewesen wäre. Noch ein großer Stau, und ich fahre bei Herrn W. vor das Tor.

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