Urlaub

Immer wieder stelle ich fest, dass es einen himmelweiten Unterschied gibt zwischen Urlaub machen und reisen . Das, was Herr W. an den letzten Tagen betrieben haben, das war reisen. Nun dagegen mache ich Urlaub. Urlaub heißt, es gibt nicht wirklich etwas zu tun, ich lasse mich treiben, verdaddle Tage. Dass ich am Campingplatz neue und alte Bekannte treffe, mich gut auskenne und vor allem dass die Familie schon da ist, tut sein Übriges. Also wird morgens gemeinsam gefrühstückt, wir gehen an den Strand, ich gucke mich im Dörfchen um und begutachte Veränderungen, wir gehen abends nochmal Churros essen, ich schlafe viel, lese.

Laki ist immer bei mir dabei und Clio, der Hund meiner Tochter möchte auch immer überall dabei sein. Seit Laki und ich da sind, versucht Clio die aktive bewegliche Verbindung zwischen unseren Fahrzeugen herzustellen, das heißt, sie läuft permanent vom Stellplatz meiner Tochter zu meinem und zurück. Glücklicherweise ist der Campingplatz schon recht leer, so dass das niemanden stört. Immer wieder tauchen Enkel auf und fragen: „Hast du die Clio gesehen?“ Laki dagegen hat entdeckt, dass zwei Wohnmobile auch zwei Mülltüten und Waschschüsseln dreckigen Geschirrs haben und ist immer mal wieder am heimlich Fressen und Auslecken, was sie erstaunlich gut verträgt.

Am letzten Tag wollen wir gemeinsam nach Cap de L’Homy laufen und dort zu Abend essen. Meine Tochter und ich beschließen, die knapp acht Kilometer zusammen mit den Hunden am Strand zu laufen. Der Schwiegersohn packt Kinder und den gesamten Krempel, den eine 5-köpfige Familie im Campingurlaub so braucht in sein Wohnmobil, die jungen Freunde packen auch Autos oder Fahrräder und wir zwei Frauen machen uns allein mit leichtem Gepäck zusammen mit den beiden Hunden auf den Weg.

Man kann über die Pont Rose gehen, eine alte rosa Betonbrücke. Aber man kann natürlich auch bei Ebbe durch den Courrant waten, wie das Flüsschen hier genannt wird. Die Tochter beschließt: Durch den Fluss. Sie zieht als erstes ihre Hose aus und prüft, ob es geht. An der Sandbank in der Mitte ruft sie mir zu „Buxe raus!“ und ich wate hinterher. Meine Beine sind ein bisschen länger als ihre, also sollte das kein Problem sein. Laki ist unsicher. Sowas haben wir aber wirklich noch nie gemacht. Ich locke sie und schließlich beginnt sie zu schwimmen. Bei ablaufendem Wasser ist die Strömung nicht zu unterschätzen und der Courrant würde sie ins Meer ziehen, wenn ihre Kraft nachlassen würde. Tapfer strampelt Laki und endlich sind wir alle auf der Sandbank, wo Clio uns schon schwanzwedelnd erwartet.

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Wir Frauen haben noch trockene Schlüpfer, was hoffentlich so bleiben wird. Das nächste Stück Fluss ist ein wenig schmaler, aber es scheint tiefer zu sein. Wieder geht die Tochter vor und als sie mit immer noch trockenem Höschen im Uferschlick steht, stakse ich erneut hinterher. Dummerweise gibt es dort nicht den Ansatz eines Weges, so waten wir eine ganze Weile im knöcheltiefen Schlick meerwärts. „Es ist nur Schlick, nasse Erde, dunkles Wasser, nichts ekliges, es fühlt sich kühl und weich an, es ist Erde, …“ bete ich mir mantramäßig vor. Ein heftiger Schmerz im Fuß lässt mich laut aufschreien. Ich bin auf die Spitze eines abgefaulten Holzpfostens oben drauf getreten. Glücklicherweise blutet es nicht. Weiter geht es. Wir müssen über aufgetürmte Steinwälle klettern und endlich sind wir am weiten Südstrand, wie wir ihn hier nennen.

Clio ist in ihrem Element. Alle Möwen sind einzig mit dem Ziel hier, sich von ihr jagen und aufscheuchen zu lassen. Sie rennt begeistert und wenn sie jubeln könnte, würde sie es tun. Laki dagegen findet das alles ausgesprochen blöd. Sie trottet einen Meter hinter uns in her und ich bin ganz froh, dass sie nicht sprechen kann. Denn sie würde nörgeln und jammern. Die tiefstehende Sonne lässt das Meer glitzern wie flüssiges Blei. Draußen türmen sich die hohen Wellen, und man hört noch am Ufer, wie sie sich krachend an den äußeren Sandbänken brechen. Wie gehen einvernehmlich. Die Tochter sammelt Muscheln, findet eine alte Sonnenbrille. Wir haben Zeit zu reden, aber auch unseren Gedanken nachzuhängen. Es ist wunderschön.

Mit einiger Verspätung kommen wir im Lokal an, da wir Frauen die Zeit zu knapp geplant haben. Wir begrüßen die anderen, rücken Tische aneinander, alle holen sich Getränke und etwas zu essen. Für mich gibt es wieder Muscheln – hmmmm!

Später am Abend packen die Tochter und ihr Mann die drei Kinder und Clio ins Auto und sie fahren zurück nach Deutschland. Denn für diese Nacht und den nächsten Vormittag ist Regen gemeldet. Ich und Laki können bei Freunden mit zurück nach Contis fahren. Zwar hätte ich durch den Wald zurücklaufen können, aber allein in der Dunkelheit ist das mit einem vermutlich unwilligen Hund nicht verlockend.

Tatsächlich fällt in der Nacht ergiebiger Regen.

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