Pralles Leben in Aix en Provence

Sonnenschein, Zeit, eine tolle Stadt – was will man mehr! Wir laufen die zwei Kilometer vom Campingplatz in die Stadtmitte, weil man in Aix en Provence oder Aix e.P., wie die Stadt hier oft angeschrieben ist, keine Hunde mit in Busse nehmen kann. So kommt also der neue Maulkorb, den ich für Laki extra gekauft habe, nicht zum Einsatz. Sie hätte schon ein Blindenhund sein müssen, damit sie in den Bus gedurft hätte – ist sie aber glücklicherweise nicht.

In der Stadt lassen wir uns treiben und genehmigen uns als erstes auf dem Platz vor dem Rathaus etwas zu trinken. Für mich gehört in Südfrankreich ein kleines Gläschen Rose zwingend dazu. Nanu? Ein kühler feuchter Nebelhauch an diesem wundervollen Sommertag? Vorbei. Da – noch einer! Ich suche und werde im Sonnenschirm fündig. Das sind hier ausgefeilte Wunder moderner Technik, die bei Hitze aus nadelfeinen Düsen kühles Wasser verströmen, bei Kälte Heizstrahler anknipsen, bei Dunkelheit LEDs zuschalten und bei Sonne einfach Schatten spenden. Ich bin fasziniert, obwohl mir gleich klar wird, dass dies auch heftige Energieschleudern sind.

Weiter geht es durch enge verwinkelte Gässchen, die an unzähligen winzigen Plätzen zusammenstoßen, jeder davon verfügt über einen eigenen Brunnen. Man kann sich richtig vorstellen, wie diese Quartiers früher funktioniert haben: die Straßen so eng, dass wenig Licht in die Wohnungen dringt, dafür Kontakte an den Brunnen beim Wasserholen. Die großen Plätze, die es auch gibt, dienten vermutlich in erster Linie der Repräsentation oder waren Plätze für Märkte und Versammlung. Heute gibt es rund um die vielen Brunnen kleine Restaurants, die quasi auf der Brunnenbrüstung die Gäste bewirten. Malerisch, spannend und es wird nie langweilig.

Wir kommen zur Kathedrale. Laki bleibt bei Herrn W., ich gehe hinein. Von außen ist die Kirche unscheinbar, von innen toll. Beeindruckend ist vor allem, dass man von der Rennaissance über die Gotik über die Romanik die verschiedenen Baustufen erkennen kann. Ganz rechts wurde begonnen und dann über die Jahrhunderte nach links immer weiter angebaut. Wir wechseln und auch Herr W. genehmigt sich einen Blick ins innere des Gebäudes. Erstaunlich ist für uns beide immer wieder, was jeder erinnert, wenn er für sich in einer Kirche war und hinterher gezwungen ist, aus der Erinnerung sich auszutauschen.

Ganz französisch nehmen wir einen Aperitiv am Cours Mirabeau, der Prachtstraße. Herr W. meint, dass es früher hier wesentlich mehr Platanen gegeben habe. Wir sehen öfter im Land, dass man vielerorts versäumt hat, rechtzeitig Bäume nachzupflanzen, so dass alte Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen und die jungen Nachfolger noch sehr zart vor sich hin kümmern.

 

Abendessen gibt es dann an einem der süßen Brunnen. Um uns herum sind Pubs, Studenten treffen sich. Junges buntes Volk nimmt noch einen Drink, bevor es an diesem Wochentag in den eigentlichen Abend aufbricht. Am Nachbartisch  möchte ein junger Mann sich sein Abendessen in vertrauter Gesellschaft schmecken lassen und platziert den weißen Pudel auf dem freien Stuhl. Der Pudel nimmt Fleischstückchen von der Gabel, verweigert dagegen Kartoffel. Laki bekommt das glücklicherweise nicht mit, sie hätte die überzähligen Kartoffeln gerne genommen. Obwohl noch einige Kilometer vom Meer entfernt, bekomme ich endlich meine geliebten Moules Frites. Das sind Miesmuscheln in einem Weißweinsud mit Pommes Frites. Für Franzosen ist das eine perfekte Kombination, für Fremde zunächst irritierend. Aber es passt wundervoll. Man öffnet die erste Muschel, fischt mit den Fingern das zarte Muschelfleisch heraus und hat ab da mit der leeren Muschelschale eine Zange mit der die übrigen Muscheln und die Pommes aufgezwickt und in den Mund geschoben werden. Ein sinnliches und überaus schmackhaftes Essen!

Entgegen unseres Plans nehmen wir danach kein Taxi, sondern laufen zu Fuß zu unserem süßen Campingplatz zurück.