Mit dem Hund durch die unwegsame Schlucht von Oppedette

Am Morgen hat sich das Wetter beruhigt. Wir stehen zeitig auf und frühstücken kräftig, damit wir beim Weg durch die Schlucht wenig Gepäck mitnehmen müssen. Getränke in den Rucksack, Fotokamera dazu, Hund an die Leine und als sich die Sonne über den Horizont schiebt, stehen wir in Wanderschuhen an der Abbruchkante. Es gibt mehrere Einstiege, wir wählen einen, von dem wir annehmen, dass er leichter zu bewältigen ist.

Laki läuft frei, damit sie sich die Tritte selbst wählen kann und uns nicht behindert. Es ist schwierig und wir kommen ins Kraxeln. Jeder Schritt will überlegt sein. Manchmal ist es sicherer, vorwärts zu steigen, manchmal scheint der Gang rückwärts wie über eine Leiter sinnvoller. Plötzlich schießt Laki rechts an uns vorbei. Ganz offensichtlich hat ihr Vierradantrieb versagt und sie kann sich nur mit Mühe fangen. Verdattert schaut sie uns an. Wir müssen also besser auf sie aufpassen, nicht nur auf uns. Tatsächlich hat sie nun Angst und lässt sich von nun an bereitwillig auch über mittlere Steinbrocken runter heben. Das erschwert auch für uns die Sache noch einmal. Einer steigt voran, dann hebt der Hintere den Hund nach und steigt selbst weiter. So geht es Fels um Fels. Glücklicherweise gibt es an besonders schwierigen Stellen Eisengeländer. Wenn ich anfangs gehadert habe, dass ich die Wanderstöcke nicht dabei habe, so bin ich nun froh. Mich, einen Mitwanderer, den Hund, die Umgebung UND Stöcke im Auge zu haben, das wäre zu viel gewesen. Immer tiefer kommen wir, die Sonne haben wir noch nicht gesehen, da sie oben scheint und nicht nach unten in die enge Schlucht gelangt.

Endlich erreichen wir den sandigen Grund der Schlucht. Es ist völlig still. Hier gibt es gerundete Felsbrocken und vereinzelte Wasserlöcher, an denen Laki sich gleich bedient. Schmetterlinge taumeln von einer Wasserstelle zur anderen. Ein kleines Stück geht es hier unten weiter. Erstaunlich ist die Unberührtheit. Ich hatte befürchtet, dass die Zivilisation ihre Spuren in Form von Müll, Klopapier, Kritzeleien oder ähnlichem hinterlassen hat, aber dem ist nicht so.

Rechts geht es durch baumbestandenes Gelände wieder bergan. Bald wird es steil. Wir kommen in eine Höhle, dort geht es nur über eine mehrere Stockwerke hohe Leiter weiter. Eine Herausforderung, die wir als mittlerweile eingespieltes Team aber recht souverän meistern. Direkt danach kommen schräg nach unten abfallende glatte Gesteinsplateaus, über deren Rand keiner schauen mag. Laki ränzelt rüber, wir schieben uns wenig geschickt hinterher. Wie gut, dass uns hier niemand filmt! Das letzte lange Stück geht es über Schotter recht bequem im strahlenden Sonnenschein dem Ausgang der Schlucht entgegen. Hier begegnen uns die ersten Wanderer, die von der anderen Seite eingestiegen sind. Ein Stück hinunter steigen wir, wieder hoch nach Oppedette, zurück auf den Parkplatz.

Eine ganze Reihe weiterer Fahrzeuge haben sich mittlerweile eingefunden. Die meisten Besucher begnügen sich mit schaudernden Blicken hinunter. Wir dagegen steuern unser Fahrzeug in den Schatten und genießen die Mittagspause.

 

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