Polen ist nicht weit!

Diese Erkenntnis macht mutig. Wir nehmen Laki in den Kofferraum und fahren eine Dreiviertelstunde noch weiter nach Osten, nach Görlitz. Görlitz ist größer als Bautzen, die Sehenswürdigkeiten liegen weiter auseinander. Eine alte rudimentäre Broschüre mit Beschreibung der allerwichtigsten Sehenswürdigkeiten erweist sich als hilfreich.

Es ist Sonntag Vormittag, und wenn wir es nicht besser wüssten, wähnten wir die Einwohner von Görlitz sämtlich im Gottesdienst, so leer sind die Straßen. Als wir das Auto recht zentral abstellen, sehen wir hinter einem Toilettengebäude einen männlichen Bewohner, der eher dem Sud der Gerste als dem Blut Christi zuspricht. Es gelingt ihm nicht, die Flasche wohlbehalten auf den Boden zu stellen. Na, das kann ja heiter werden!!! Schon nach wenigen Metern entledigt sich Laki eines riesigen Haufens auf eine öffentliche Grünanlage und ich ziehe stolz das Kackatütchen aus meiner Tasche.

Nun können wir endlich zu den kulturell anspruchsvolleren Programmpunkten kommen: Es gibt wieder wundervolle mit viel Sorgfalt renovierte Gebäude, dazwischen große repräsentative Marktplätze, schöne protestantische Kirchen, nette Passagen. Wir landen am anerkannt schönsten Brunnen seiner Zeit in ganz Sachsen, der „Muschelminna“. Auf ihre Art ist sie wirklich schön, auch wenn heute derartige Brunnen furchtbar altmodisch erscheinen. Überhaupt haben sie in Görlitz Sinn für nette plätschernde Wasserspiele.

Beeindruckt hat mich die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt. Sie ist noch nicht restauriert, aber gerade das macht ihren Charme aus. Obwohl es eigentlich nicht erlaubt ist, mache ich zwei Fotos. Es gibt in dieser Kirche keinen logischen Grundriss, vermutlich dem Wechsel von Katholizismus zu Protestantismus geschuldet. Die bemalten Zwischenräume an der Decke lassen blau-florale Vielfalt erkennen. Eine Darstellung vom sitzenden Christus mit der Dornenkrone erstaunt im ersten Moment, doch irgendwann schleicht sich beim Betrachter der Verdacht ein, dass dieser Jesus einfach nur vergeblich auf sein Taxi wartet. …

Bergab geht’s, der Neiße und damit der Polnischen Grenze entgegen. Eine einfache Brücke, Blick über ein naturbelassenes Flussbett und schon bin ich drüben. Da es dort kaum Schatten gibt, lassen wir es dabei bewenden und kehren wieder um. OK. Abgehakt.

Dass Sonntag ist, merken wir an den mittlerweile zahlreichen Touristen. Wir tun also das, was ein guter Tourist tut: Schweinebraten mit Knödeln und Sauerkraut essen, ins Eiscafé gehen, Dem riesengroßen Weihnachtsladen einen Besuch abstatten. Zeit, wieder nach Bautzen zu fahren. Bevor wir ins Auto steigen, wird Herr W. unweit des eingangs erwähnten Toilettenhäuschens von Hermann angesprochen, der ihn erfolgreich um Geld bittet, nachdem er Laki bewundert und sich ausgiebig über seine und unsere Tierliebe ausgelassen hat.

Was für ein Glück, das Auto steht noch im Halbschatten!

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