Ab nach Osten!

Ich gehöre noch zu der Generation, die als kleines Kind staunend miterlebte, dass Mutti regelmäßig ein Paket packte und es nach drüben in die Ostzone schickte. Dahinein kamen  Kaffee, Seife, Damenstrümpfe, Dosen mit Ananas und andere schnöde Dinge des Alltags. Die Ostzone schickte dann zu Festtagen ein Paket zurück, darin war für mich Kleidung und irgendein Wohnaccessoire (was damals noch nicht so hieß).

Herr W. hat einen Freund, der wohnt dort. In Bautzen, genauer gesagt. Bautzen, das ist die Stadt mit einem Knast und mit Senf. Mehr fiel mir bis vor wenigen Tagen nicht dazu ein. Also: Nichts wie hin! Da der Freund viel Platz hat und wir bei ihm in der Wohnung schlafen können, fahren wir mit dem PKW. Laki ist natürlich dabei.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zehn Minuten damit beschäftigt war, die Stadt auf einer Deutschlandkarte zu finden. Danach war mir klar, warum ich mich so mit dem Packen beeilen sollte. Bautzen ist nämlich schon arg weit weg.

Die Landschaft ändert sich während der Fahrt nur unwesentlich. Überall trockenes abgeerntetes Land, mehr oder weniger hügelig, teils waldig, wenig besiedelt. Aber der erste Blick auf Bautzen! Oben auf einem Granitplateau liegt die Stadt, hoch über der Spree, turmbewehrt. Ein Mauerring schließt sie ein, es gibt eine Stadtburg. Schon von weitem sieht man, dass sie wunderschön restauriert ist.

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Als wir über die Jugendstilbrücke kommen, schieße ich aus dem Fenster das erste Foto.

Der Freund empfängt uns herzlich und wir gehen nach dem Essen gleich einmal in die Stadt, um uns einen Überblick zu verschaffen. Alles liegt recht nah beieinander und man kommt von einer Sehenswürdigkeit direkt zur nächsten. Voller Erwartung machen wir uns gleich am nächsten Morgen bei Tageslicht wieder auf den Weg.

Es gibt in Bautzen seit Jahrhunderten eine ethnische Minderheit, die Sorben. https://de.wikipedia.org/wiki/Sorben Daher ist jede Aufschrift sowohl deutsch als auch sorbisch. Die Sorben sind christlich, sie pflegen ein differenziertes Brauchtum. Es gibt sorbische Theatervorstellungen oder auch Restaurants. Doch sind sie in allem offenbar gut integriert, auf den Friedhöfen gibt es sorbische und deutsche Gräber. Durch Mischehen scheint die Sprache eher im Rückgang zu sein, doch gibt es Schulen, wo sorbisch als Fremdsprache gelehrt wird.

Diese kulturelle Vielfalt, die reiche Geschichte, die exponierte Lage und die Anstrengungen beim Aufbau machen Bautzen zu einer aufregenden Stadt für mich. Wir besichtigen den Dom – eine Simultankirche. Das bedeutet, dass in einem Kirchenbau sowohl eine evangelische als auch eine katholische Kirche untergebracht wird. Dazwischen gibt es eine Brüstung mit Durchgängen, auf dem ersten Bild kann man sie sehen. Der Freund sagt, früher wäre es ein hohes Gatter ohne Durchlässe gewesen.

 

Natürlich wird Senf gekauft. Laki darf mit in den Laden und legt sich sogleich auf den kühlen Bodenbelag, so dass die Verkäuferinnen fast über sie drüber steigen müssen. Das bringt ihr einige Streicheleinheiten ein und wir können uns in Ruhe alle Exponate rund um den Senf ansehen. Auf Oblaten kann man die unglaublichsten Sorten probieren. Mir schmeckt fast alles. Jetzt habe ich Senf für das kommende Jahr und möglicherweise auch noch darüber hinaus.

 

Wir wandern die Spree entlang, die mich immer wieder an die idyllische Vézère erinnert, wo ich im vergangenen Jahr war. Laki sieht das genauso. Sie badet mit Hingabe. Libellen sausen übers seichte Wasser, die Sonne blinkt durch das Geäst des Waldes. Wir staunen über hohe Stelen und Brocken aus Sandstein entlang des Pfades. Am Ende des langen Weges finden wir ein Lokal mit einer schattigen Terrasse. Kühles Radler kennen sie dort auch.

 

Die folgenden Tage nutzen wir für Ausflüge in die Umgebung.

2 Kommentare zu „Ab nach Osten!“

  1. Danke für die schönen Fotos  und deine Schilderung ,die mich deinen Trip in den Osten so richtig live erleben lässt ! Freu mich auf den nächsten Eintrag von dir ! LG Heidi P.S. Schreib keine Kommentare im Blog,weil ich mich irgendwo und irgendwie einloggen muss und mir das nicht gelingt !

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